Entsetzen über Schweizer Schläger-Kids: 

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Entsetzen über Schweizer Schläger-Kids 

Lupe «Eigentlich ist mein Sohn ganz brav»

Der Vater eines der Schweizer Prügel-Teenager hat sich bei den Opfern entschuldigt. Seine Beschreibung des Sohns entspricht allerdings nicht den Tatsachen: So «ganz brav» und friedlich war der 16-Jährige schon vorher nicht.

Nach der brutalen Gewalt von Schweizer Schülern in München hat sich der Vater eines Beteiligten entschuldigt. Das schwer verletzte Opfer, ein 46-jähriger Geschäftsmann, tue ihm unsagbar leid, sagte der fassungslose Vater dem Privatsender «Radio1» in Zürich am Freitag. «Ich möchte mich in aller Form entschuldigen und irgendwie helfen, falls das möglich ist.»

Er habe mit seinem 16-jährigen Sohn nicht mehr gesprochen, seit dieser in Untersuchungshaft sei. Die Mutter habe ein kurzes Gespräch mit ihm führen dürfen, in dem er gesagt habe, dass es ihm sehr leid tue. Die Jugendlichen hatten bei einer Klassenfahrt in München mit Alkohol und Haschisch gefeiert und dann wahllos Passanten angegriffen, darunter den 46-jährigen Versicherungskaufmann aus Ratingen in Nordrhein-Westfalen.
«Eigentlich ist mein Sohn ganz brav»
Anschließend prügelten die Teenager aus Küsnacht bei Zürich ohne erkennbares Motiv einen 27-jährigen Studenten nieder. Das Ganze sei ein Alptraum, sagte der fassungslose Vater zu «Radio1». Er habe keine Erklärung für das, was in der Nacht auf Mittwoch geschehen sei, sagte er. «Man hat das Gefühl, man macht alles richtig. Und dann kommt so ein Hammer.»

«Wir hätten ihm so eine Tat nie zugetraut, er ist ein friedlicher Junge», sagten Schulkollegen über einen der 16-Jährigen zu «20 Minuten Online». Er sei nie negativ aufgefallen. «Eigentlich ist mein Sohn ganz brav», sagt der betroffene Vater gegenüber «Tagesanzeiger.ch/Newsnetz». «So ein Armer, es wird jetzt nie mehr gut werden.»

Allerdings: Ganz so unschuldig waren die Jugendlichen auch zuvor nicht. Am Freitag wurde bekannt, dass sie vorbestraft sind und in ihrer Heimat wegen Angriffen auf Menschen schon Sozialdienste leisten mussten. Einer musste sich im vergangenen Herbst einer Therapie unterziehen, wie die Jugendstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich am Freitag mitteilte. Bewirkt hat das alles offensichtlich nichts: Die Jugendlichen hätten in ersten Vernehmungen keine Reue gezeigt, teilte die Münchener Polizei mit.

Schwerverletztes Opfer auf dem Weg der Besserung
Die Ermittler bezeichneten die Tat als «noch alarmierender» als den Fall der Münchner U-Bahn-Schläger vor eineinhalb Jahren. Damals hatten zwei junge Männer einen Rentner wegen dessen Hinweis auf das Rauchverbot in der U-Bahn lebensgefährlich verletzt. Sie hätten zumindest noch einen Auslöser für den Gewaltausbruch gehabt, sagte ein Polizeisprecher. Dieses Mal hingegen sei das einzige Motiv die «Lust am Klatschen» gewesen.

Der schwer verletzte Geschäftsmann aus Ratingen ist inzwischen auf dem Weg der Besserung. «Es geht ihm besser», sagte Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Es sei aber unklar, ob der Mann bleibende Schäden davontragen werde. Er hatte mehrere Brüche im Gesicht erlitten, darunter an einer Augenhöhle. Befürchtet werden Folgen für das Auge. Der Student erlitt Blutergüsse und konnte ambulant behandelt werden.

Die Ermittler suchen derzeit drei noch unbekannte Opfer. Die Jugendlichen hatten nach ihrer Festnahme selbst zugegeben, neben dem Geschäftsmann und dem Studenten drei weitere Männer geschlagen zu haben. «Wir wissen noch nicht, wer das ist. Wir hoffen, dass sie sich melden», sagte Wenger. Spekuliert wird, ob es sich bei den Opfern um Stadtstreicher handelte.

Lehrer wussten «eher nicht» von den Vorstrafen
Insgesamt waren fünf Jugendliche beteiligt, zwei davon wurden wieder auf freien Fuß gesetzt. In U-Haft sind noch zwei 16-jährige Schweizer und ein 16-jähriger slowenischer Staatsangehöriger. Die Zehntklässler der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht waren auf Klassenfahrt in München. Den Lehrern sei kein Vorwurf zu machen, betonte Wenger. «Die Lehrer haben sich sehr kooperativ verhalten.»

Auch nach Angaben des Jugendstaatsanwalts Marcel Riesen aus Zürich wussten die Lehrer «eher nicht» von den Vorstrafen der Jugendlichen. Die Verurteilungen erfolgten 2008 und Anfang 2009. Einer der Jugendlichen wurde wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs verurteilt. Ein zweiter hat jemandem das Nasenbein gebrochen und wurde wegen einfacher Körperverletzung bestraft. Raubversuch und Angriff sind die Delikte, wegen denen der Dritte verurteilt wurde. Er hatte jemandem einen Faustschlag und Tritte verpasst.

Die Jugendlichen müssen sich auch jetzt auf strenge Strafen einstellen. «Sie haben mit aller Härte zu rechnen», kündigt Wenger an. Auf versuchten Mord stehen nach Jugendstrafrecht in Deutschland bis zu zehn Jahre Haft. Der Polizeisprecher berichtete, dass die Behörde viele E-Mails aus der Schweiz bekomme: «Die Schreiber wollen sich für ihre Landsleute entschuldigen.» Die Schweizer hofften, dass den Jugendlichen in Deutschland der Prozess gemacht werde - die Gesetze hierzulande seien strenger. (nz/dpa/AP)