Entsetzen über Schweizer Schläger-Kids:
«Eigentlich ist mein Sohn ganz brav»
«Wir hätten ihm so eine Tat nie zugetraut, er ist ein friedlicher Junge», sagten Schulkollegen über einen der 16-Jährigen zu «20 Minuten Online». Er sei nie negativ aufgefallen. «Eigentlich ist mein Sohn ganz brav», sagt der betroffene Vater gegenüber «Tagesanzeiger.ch/Newsnetz». «So ein Armer, es wird jetzt nie mehr gut werden.»
Allerdings: Ganz so unschuldig waren die Jugendlichen auch zuvor nicht. Am Freitag wurde bekannt, dass sie vorbestraft sind und in ihrer Heimat wegen Angriffen auf Menschen schon Sozialdienste leisten mussten. Einer musste sich im vergangenen Herbst einer Therapie unterziehen, wie die Jugendstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich am Freitag mitteilte. Bewirkt hat das alles offensichtlich nichts: Die Jugendlichen hätten in ersten Vernehmungen keine Reue gezeigt, teilte die Münchener Polizei mit.
Der schwer verletzte Geschäftsmann aus Ratingen ist inzwischen auf dem Weg der Besserung. «Es geht ihm besser», sagte Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Es sei aber unklar, ob der Mann bleibende Schäden davontragen werde. Er hatte mehrere Brüche im Gesicht erlitten, darunter an einer Augenhöhle. Befürchtet werden Folgen für das Auge. Der Student erlitt Blutergüsse und konnte ambulant behandelt werden.
Die Ermittler suchen derzeit drei noch unbekannte Opfer. Die Jugendlichen hatten nach ihrer Festnahme selbst zugegeben, neben dem Geschäftsmann und dem Studenten drei weitere Männer geschlagen zu haben. «Wir wissen noch nicht, wer das ist. Wir hoffen, dass sie sich melden», sagte Wenger. Spekuliert wird, ob es sich bei den Opfern um Stadtstreicher handelte.
Auch nach Angaben des Jugendstaatsanwalts Marcel Riesen aus Zürich wussten die Lehrer «eher nicht» von den Vorstrafen der Jugendlichen. Die Verurteilungen erfolgten 2008 und Anfang 2009. Einer der Jugendlichen wurde wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs verurteilt. Ein zweiter hat jemandem das Nasenbein gebrochen und wurde wegen einfacher Körperverletzung bestraft. Raubversuch und Angriff sind die Delikte, wegen denen der Dritte verurteilt wurde. Er hatte jemandem einen Faustschlag und Tritte verpasst.
Die Jugendlichen müssen sich auch jetzt auf strenge Strafen einstellen. «Sie haben mit aller Härte zu rechnen», kündigt Wenger an. Auf versuchten Mord stehen nach Jugendstrafrecht in Deutschland bis zu zehn Jahre Haft. Der Polizeisprecher berichtete, dass die Behörde viele E-Mails aus der Schweiz bekomme: «Die Schreiber wollen sich für ihre Landsleute entschuldigen.» Die Schweizer hofften, dass den Jugendlichen in Deutschland der Prozess gemacht werde - die Gesetze hierzulande seien strenger. (nz/dpa/AP)
