30.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Papst Benedikt XVI. vor dem unterirdischen Sarg des Apostel Paulus
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Dass in einem Sarg Knochen liegen, gehört sich für ein Grab», so eine Theologieprofessorin zu der «Sensation» im Paulus-Sarg. Ob die 2000 Jahre alten Gebeine dem Apostel gehören, werde sich nicht klären lassen.
Die Echtheit der Knochenreste im römischen Paulusgrab lässt sich nach Expertenansicht wissenschaftlich nicht beweisen. «Wir haben von Paulus keine DNA, wir haben nichts was wir vergleichen könnten», sagte die Lehrstuhlinhaberin für Christliche Archäologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, Carola Jäggi, der «Nürnberger Zeitung». Die Bekanntgabe des Papstes, dass die gefundenen Gebeine aus der Pauluszeit vom ersten zum zweiten Jahrhundert stammten, sei keineswegs eine Sensation.
Warnung vor Wunschdenken«Dass in einem Sarg Knochen liegen, gehört sich für ein Grab», sagte die evangelische Theologieprofessorin. Es gebe jedoch keine Möglichkeit, sie als Überreste des Heiligen Paulus zu identifizieren. Jäggi warnte vor Wunschdenken. Die Geschichte des Reliquienkultes kenne viele Fälschungen. Bei den Apostelfürsten Petrus und Paulus habe der Kult um die Grabstätten erst um 200 eingesetzt, rund 140 Jahre nach ihrem Tod.
Erst seit diesem Zeitpunkt seien aus Verehrungsbedürfnis heraus Bestattungsorte lokalisiert worden. «Das hat überhaupt nichts damit zu tun, ob das tatsächlich das Grab war», sagte sie.
Verbindung in die VergangenheitHeiligen-Forscher Manfred Becker-Huberti verteidigte gegenüber der Nachrichtenagetur dpa den Kult um Heilige, Gebeine und Reliquien. «Der Reliquien-Kult ist kein Auslaufmodell», sagte er und räumte aber auch ein: «In dieser Weite und Breite gibt es das nur unter Katholiken», so der Theologe. «Bis heute hat in der ganzen Welt jeder Altar in einer katholischen Kirche ihre Reliquie.» Die Verehrung von Gebeinen sei ungeheuer alt, erklärte Becker-Huberti. «Sie besteht nicht mehr in dem Maße wie vor allem im Mittelalter, aber es gibt auch heute noch eine große Ehrfurcht.»
Das gelte auch für junge Gläubige. «Für die Gläubigen bedeuten Reliquien die Verbindung zwischen dem jetzt Lebenden und dem Zeugen des Glaubens aus der Vergangenheit.»
Papst Benedikt XVI. hatte zum Abschluss des Paulusjahres in der archäologischen Entdeckung eine Bestätigung der kirchlichen Tradition gesehen, dass im Paulusgrab tatsächlich der Heilige Paulus liege. Er hatte sich davon tief bewegt gezeigt. Der Apostel Paulus wurde der Überlieferung zufolge um das Jahr 67 nach Christus in Rom enthauptet. Bestattet soll er an der Via Ostiense sein, wo im 4. Jahrhundert ein Vorgängerbau der heutigen Basilika «San Paolo fuori le mura» (Sankt Paul vor den Mauern) über seinem Grab erbaut wurde.(nz/epd/dpa)