Christopher Street Day 2009 in Berlin: 

netzeitung.de«Homoglück» von Ku'damm bis Siegessäule

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Christopher Street Day 2009 in Berlin 

Lupe «Homoglück» von Ku'damm bis Siegessäule

Berlins Schwule, Lesben und Transsexuelle haben wieder bewiesen, wie sie feiern können: Zigtausende zogen bei der CSD-Parade durch die Innenstadt. Eine Gedenkfeier am Homo-Denkmal im Tiergarten musste indes abgebrochen werden.

Zehntausende Menschen haben am Samstag in Berlin den Christopher Street Day (CSD) gefeiert und die Parade der Schwulen, Lesben und Transsexuellen gesehen. Unter bedecktem Himmel zogen rund 50 Festwagen – darunter gewaltige bunte Sattelschlepper, aber auch kleine, klapprige Eiswagen – und viele Fuß-Gruppen zum diesjährigen Motto «Stück für Stück ins Homoglück – Alle Rechte für Alle» über den Kurfürstendamm, Potsdamer Platz und vorbei am Brandenburger Tor zur Abschlusskundgebung bei der Siegessäule.

Halbnackt, mit zerrissenen T-Shirts, in Lack und Leder oder anderen Kostümen tanzten und feierten Schwule, Lesben und Transsexuelle bei der 31. CSD-Parade in der Hauptstadt und demonstrierten zugleich für einen grundgesetzlich verbriefen Schutz Homosexueller vor Diskriminierung.

Zahlreiche Teilnehmer trugen bunte Kostüme und schwenkten Regenbogenfahnen. Zunächst lagen unterschiedliche Zahlen zu Teilnehmern und Zuschauern vor. Die Veranstalter sprachen von rund 550.000 Teilnehmern und Zuschauern, etwa 50.000 mehr als im Vorjahr. Nach Polizeiangaben verlief der Umzug friedlich.

Für die Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung am Morgen hatte der fröhliche Tag mit einer Schrecksekunde begonnen: Die Feier am neuen Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Tiergarten musste wegen eines Unfalls vorzeitig beendet werden. Der 96 Jahre alte frühere KZ-Häftling Rudolf Brazda war am Rednerpult gestürzt und erlitt Kopfverletzungen und Schürfwunden. Nach Polizeiangaben war das Rednerpult weggerutscht, auf das sich Brazda stützen wollte. Brazda war wegen seiner Homosexualität von 1941 bis 1945 im Konzentrationslager Buchenwald eingesperrt.

Mehrere Politiker sowie Lesben- und Schwulenverbände erinnerten während der Gedenkfeier an die Verfolgung Homosexueller. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach sich für eine Rehabilitierung derjenigen aus, die bis 1969 nach dem alten Schwulen- Paragrafen strafrechtlich verfolgt wurden. Er forderte eine Entschädigung und eine Rentenregelung. Darüber hinaus mahnte er, die Erinnerung aufrecht zu erhalten: «Das was geschehen ist, können und wollen wir nicht vergessen. Wir müssen täglich dafür kämpfen, dass Menschen nicht diskriminiert und ausgegrenzt werden.»

Die diesjährigen CSD-Demonstrationen und -Paraden feiern ein Jubiläum: Genau vor 40 Jahren, Ende Juni 1969, kam es in der New Yorker Christopher Street nach einer Razzia und Übergriffen der Polizei in der Szenebar «Stonewall Inn» zum Aufstand von Schwulen und Lesben. Die Straße im Künstler-Viertel Greenwich Village wurde zum Symbol der «Gay Pride»-Bewegung. Seit gut 25 Jahren wird auch in Deutschland mit Umzügen und Straßenfesten unter der Regenbogenflagge an die Ereignisse in New York erinnert. (dpa/AP)