Plastikflaschen zu Feinden erklärt: 

netzeitung.deLeitungswasser soll Venedigs Müllberg abtragen

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Gondel in Venedig (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gondel in Venedig
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Venedig ist die Stadt des Wassers. Genau das wird jetzt zum Problem. Die Flaschen, in denen die Venezianer ihr Wasser trinken, türmen sich zu Müllbergen. «Acqua Veritas» soll helfen. Ein schöner Name, eine banale Lösung.

Im Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralwasser sind die Italiener Weltspitze. Pro Jahr trinken sie mehr als 150 Liter, das meiste davon aus Plastikflaschen. Doch nun meldet sich bei den Venezianern das ökologische Gewissen – und die Stadtverwaltung, die sich einen vermarktbaren Namen für das Leitungs- und Brunnenwasser Venedigs ausgedacht hat: «Acqua Veritas», wie die «New York Times» berichten, reines Wasser, wahres Wasser - das eigentliche Wasser, all das sagt der Name aus.


100 Prozent öffentlich
Doch nicht nur die Venezianer, sondern auch die Touristen der Stadt sollen demnach ihren Beitrag zur Müllvermeidung leisten. Unter dem Motto «100 Prozent öffentlich» wurden so zum Beispiel mehrere hundert Flaschen verteilt, die immer wieder mit Wasser befüllt werden können. dazu gab es, ebenfalls ganz umsonst, einen Stadtplan, auf dem die 122 Brunnen der Stadt verzeichnet sind.

«Leitungswasser braucht keine Flaschen», sagt Riccardo Seccarello der «New York Times», ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. «Die Qualität des Leitungswassers wird besser kontrolliert als die des Mineralwassers in Flaschen. Und billiger ist es auch.» Für die Stadt und ihre Einwohner. Denn im Gegensatz zu einem Liter Mineralwasser, der rund 26 Cent kostet, müssen für den Liter Leitungswasser nur 0,09 Cent bezahlt werden. Venedig dagegen hatte muss nur noch 261 Tonnen Plastikmüll pro Monat entsorgen. Im Vorjahr waren es noch 288 Tonnen. Ein nicht zu unterschätzender Fortschritt, wenn man bedenkt, dass das Einsammeln nur einer Tonne Müll in den Kanälen rund 250 Euro pro Tonne kostet. Das ist fast viermal mehr als auf dem Festland, wo für die die gleiche Menge nur rund 60 Euro ausgegeben werden müssen.

Bürgermeister als Vorbild
In einem zweiten Schritt will die Verwaltung nun auch allen Haushalten in der Stadt eine Freude machen und speziell designte Glaskaraffen verteilen – damit auch in den Familien wieder mehr Leitungswasser getrunken wird.

Da Wasser aus dem Hahn in Venedig oft spaßig als «Bürgermeisterwasser» bezeichnet wird, steht einer nun natürlich ganz besonders unter Beobachtung: Der Bürgermeister. Massimo Cacciari enttäuscht die Erwartungenen keineswegs. In der Stadt hängen Poster, die ihn mit Glaskaraffe zeigen. «Auch ich trinke das Bürgermeisterwasser» steht daneben. (nz)