Polizeigewerkschaft warnt nach Mai-Krawallen: 

netzeitung.de«Nur eine Frage der Zeit, bis es Tote gibt»

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Pflasterstein und Polizei in Berlin-Kreuzberg (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Pflasterstein und Polizei in Berlin-Kreuzberg
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Heftiger als sonst sei die Gewalt am 1. Mai ausgefallen, bilanziert die Polizei. Die GdP sieht ihre Beamten bereits in Lebensgefahr, zumal auch die Rechten sie als «Hassobjekt» entdeckt hätten. Immerhin: Ein erstes Zeichen «sozialer Unruhen» seien die Krawalle nicht, so ein Soziologe.

Bei Krawallen im Hamburger Schanzenviertel sind in der Nacht zum Samstag sechs Polizisten verletzt worden. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben 23 Personen aus der linken Szene fest. Beamte seien «massiv mit Steinen beworfen» worden, erklärte ein Sprecher. Daraufhin wurden Wasserwerfer eingesetzt. Die Randalierer warfen Böller, legten in einem Park Feuer und setzten einen Porsche in Brand. Insgesamt waren knapp 200 Randalierer auf den Straßen. Neben den Festnahmen nahm die Polizei weitere 24 Personen vorübergehend in Gewahrsam.

In Berlin habe es 289 Festnahmen gegeben, so Polizeipräsident Dieter Glietsch. Dort waren rund 6000 Polizisten im Einsatz, 273 von ihnen wurden verletzt, 14 so schwer, dass sie nicht weiterarbeiten konnten. Dies sei eine «neue Qualität der Gewalt», so Glietsch weiter. Einige Straßen in Berlin-Kreuzberg waren verwüstet, nicht nur Pflastersteine, auch Platten wurden aus Gehwegen als Wurfgeschosse herausgerissen. Die U-Bahn-Station Kottbusser Tor musste geschlossen werden. Die Ärzte mussten vor allem klaffende Kopfwunden behandeln. Einige Demonstranten waren bewusstlos, auch ein Passant wurde schwer verletzt.

Immer mehr an Risiken
Angesichts der offenbar zunehmenden Gewalt rechter und linker Demonstranten am 1. Mai sieht die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine neue Qualität der Krawalle. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es den ersten Toten dabei gibt», sagte GdP-Chef Konrad Freiberg der Nachrichtenagentur dpa. Wer Pflastersteine auf Polizisten werfe und massiv Beamte angreife, nehme tödliche Verletzungen billigend in Kauf, mahnte er mit Blick auf Ausschreitungen in Kreuzberg. Das Risiko für die Polizei bei solchen Einsätzen werde immer größer. Freiberg verwies darauf, dass es fast immer mehr verletzte Polizisten als Demonstranten gebe. Besondere Sorge mache der Polizei auch, dass in mindestens sechs Städten am diesjährigen 1. Mai Polizisten und Gewerkschafter gezielt von rechten Schlägertrupps angegriffen worden seien.
Nun auch Gefahr von Rechts
«Die Rechten haben sich die Polizei als neues Hassobjekt ausgeguckt, sie jagen Polizisten und suchen die gewalttätige Auseinandersetzung.» Die Polizei sei an der Grenze der Belastbarkeit angekommen, sagte er weiter. Im Vergleich zum Jahr 2000 gebe es heute 10.000 Polizeibeamte weniger in Deutschland.

Die schweren Mai-Ausschreitungen von Linksautonomen in Berlin und Hamburg sind nach Ansicht des Soziologen Dieter Rucht aber kein Indiz für mögliche soziale Unruhen. «Auffällig ist aber, dass derzeit Teile der linksradikalen Szene vor Selbstbewusstsein strotzen und meinen, vor dem Hintergrund von Finanz- und Wirtschaftskrise mehr Verständnis in der Bevölkerung zu finden», sagte der am Berliner Wissenschaftszentrum arbeitende Soziologie-Professor der dpa. Es sei jedoch sehr unwahrscheinlich, dass es nun zu Solidarisierungen mit dieser Szene komme. «Zwischen dem moderaten linken Lager inklusive der Gewerkschaften und der militanten Linken gibt es in dieser Hinsicht keine Brücken.» (nz/dpa/AP)