Mutter der drei Kinder wieder auf freiem Fuß:
Kinder ausgesetzt, «um betteln zu gehen»
24.04.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Ina R. tauchte nach vier Tagen wieder auf. Ihre Kinder hat sie vorerst verloren
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Sie hätten im Abfall gewühlt, und Regenwasser getrunken: Eine «finanzielle Notlage» habe sie dazu bewogen, ihre drei Kinder in einer italienischen Pizzeria auszusetzen, so die wieder aufgetauchte Mutter. Den Kleinen geht es gut - zumal nun auch ihre Großeltern bei ihnen sind.
Das Pärchen, das in einer italienischen Pizzeria seine drei Kinder zurückließ, ist wieder da - es bleibt die Frage nach dem Motiv. Eine Polizeistreife hatte die beiden am Donnerstag etwa zehn Kilometer von der Stadt Aosta entdeckt. Eine Anwohnerin hatte die Deutschen dort entdeckt. Die 26-jährige Mutter Ina R. und ihr Freund Sascha S., ein entflohener Häftling, hätten die Beamten gleich nach den Kindern gefragt, seien sich aber offenbar sicher gewesen, dass es ihnen gut gehe, so der Polizeichef von Aosta, Salvatore Aprile laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Sie hätten erzählt, das ihnen das Geld ausgegangen sei und sie bereits ein Handy verkauft hätten, um sich Essen kaufen zu können.
Wir wollten betteln gehen...«Südtirol Online» berichtet derweil, dass die Mutter angegeben habe, dass ihre Kinder schon vor Hunger geweint hätten. Sie und ihr Freund wollten daraufhin betteln gehen. Mit dem erbettelten Geld habe sie nach Deutschland zurückkehren wollen, wo sie auch mit einem Wiedersehen mit ihren Kinder gerechnet habe. In den vergangenen vier Tagen ihrer Flucht hätten sie und S. von Supermarkt-Abfällen gelebt und Wasser aus Bewässerungskanälen getrunken, so die 26-Jährige.
Das Paar hat auf einer von Büschen gesäumten Straße möglicherweise in einem am Straßenrand geparkten Fahrzeug übernachtet, vermuten die Ermittler nun. Die Streife brachte das Paar dann auf das Präsidium in Aosta. Die Kinder spielten derweil «wohlauf und vielleicht glücklich wie nie zuvor» in einem Heim im Zentrum von Aosta, berichtete die italienische Tageszeitung «La Repubblica». Mit italienischen Kindern im Heim verständigten sich die kleinen Deutschen mit Händen und Füßen hervorragend. Mitarbeiter des Kreisjugendamtes von Olpe und die Großeltern der drei Kleinen sind inzwischen im Aostatal, sagte der Olper Kreisdirektor Theo Melcher am Freitag. Die Kinder sollen entweder bei ihrer Oma oder in einer Pflegefamilie untergebracht werden. Das Amtsgericht Lennestadt hatte bereits am Dienstag auf Antrag des Jugendamts des Kreises Olpe der Mutter das Sorgerecht entzogen.
Wie geht es weiter?Die Staatsanwaltschaft Siegen will nun die Auslieferung des geflüchteten Häftlings beantragen. Oberstaatsanwalt Johannes Daheim sagte am Freitag, dass dazu die italienischen Behörden kontaktiert würden. Wenn der 24-Jährige nicht widerspreche, könne er relativ schnell wieder nach Deutschland gebracht werden. Gegen die Mutter der Kinder bestehe kein Haftbefehl. Sie bekomme nach ihrer Rückkehr nach Deutschland Gelegenheit, sich im förmlichen Ermittlungsverfahren zu den Vorwürfen zu äußern. In Italien kann sie sich derzeit wieder frei bewegen, ebenso ihr Freund, gegen den kein internationaler Haftbefehl vorliegt.
Die 26-Jährige und ihr Freund, ein aus dem Gefängnis Senne geflüchteter Häftling, hatten die Kinder der Frau im Alter von unter einem Jahr, vier und sechs Jahren nach einem gemeinsamen Essen am Sonntag in einer Pizzeria im Aosta-Tal zurückgelassen und waren scheinbar spurlos verschwunden. (nz/dpa/AP)