11.04.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Schutt in einer Straße von L'Aquila
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nachdem im Erdbeben-Ort L'Aquila die Zweifel an angeblich vorschriftsmäßig gebauten Häusern anhalten, haben Staatsanwälte Ermittlungen gestartet, die EU schickt Fachleute. Derweil wurde ein weiterer Toter aus den Trümmern geborgen.
Die Staatsanwaltschaft in L'Aquila hat wegen offenbar nicht erdbebensicher gebauter Gebäude Ermittlungen eingeleitet. Dabei soll geprüft werden, ob die gültigen Bauvorschriften eingehalten wurden, oder ob möglicherweise aus Profitgier weniger stabil gebaut wurde, wie die Zeitung «La Repubblica» am Samstag berichtete.
«Wir haben die Verpflichtung zu prüfen, ob einige Gebäude wirklich aus Sand oder ohne Stahl gebaut waren, wie mehrere Zeugen berichteten», sagte der leitende Staatsanwalt Alfredo Rossini dem Blatt zufolge. Zahlreiche Einrichtungen, darunter ein Studentenwohnheim und ein Flügel des Krankenhauses in L'Aquila, waren nach dem Erdbeben der Stärke 6,3 vom Montag in sich zusammengestürzt. Ingenieure und Geologen gehen davon aus, dass nach Vorschrift gebaute Gebäude bei einem Beben dieser Stärke nicht einstürzen dürften.
Feuerwehrleute hatten dem staatlichen Fernsehen RAI am Freitag gesagt, dass einige tragende Säulen bei den Aufräumarbeiten in sich zusammengefallen seien, als wäre der Zement beim Bau mit Sand gemischt worden. Die EU schickt auf Wunsch Italiens ein Expertenteam in die betroffene Region, wie Umweltkommissar Stavros Dimas am Samstag in Brüssel mitteilte. Die Vermessungsexperten sollen die Stabilität der Gebäude überprüfen.
Bisher haben Deutschland, Frankreich, Spanien, Griechenland und Schweden eine Hilfe zugesagt. Diese Länder schicken insgesamt zehn Experten nach Italien, die Anfang der Woche eintreffen sollen. Es werden der Mitteilung zufolge noch weitere Zusagen erwartet. Italien hatte sich den Angaben zufolge Anfang vergangener Woche mit der Bitte um Unterstützung nach Brüssel gewandt. Das Land hatte um acht Vermessungsexperten gebeten.
Hoffnungen sinkenDie Feuerwehr barg am Samstag ein weiteres Opfer aus dem Schutt eines eingestürzten Hauses. Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben in der Region Abruzzen stieg damit auf 291. Seit der Nacht zum Samstag hatten die Helfer vor allem in den Trümmern eines Hauses in L'Aquila gegraben, in denen Spezialmikrofone am Vorabend Geräusche ausgemacht hatten. Die Rettungsmannschaften in der Abruzzen-Hauptstadt machten sich jedoch kaum Hoffnungen, noch jemanden lebend bergen zu können, berichteten italienische Medien.
Erstmals seit dem Erdstoß vom vergangenen Montag hatte es kein stärkeres Nachbeben mitten in der Nacht mehr gegeben. Spenden und Schenkungen aus allen Landesteilen sollen es ermöglichen, dass die etwa 18.000 obdachlosen Menschen, die in Zeltstädten untergebracht sind, am Sonntag mit einer Messe und einem Essen ein wenig Ostern feiern können. Am Karfreitag hatte Italien mit einer bewegenden Trauerfeier in L'Aquila Abschied von den Erdbebenopfern genommen.(AP/dpa)