Ein doppelter Versprecher bei «Anne Will»: 

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Ein doppelter Versprecher bei «Anne Will» 

Lupe Wie Merkel zum Staatsoberhaupt wurde

Für gute Laune bei Hauptstadtjournalisten hat Kanzlerin Merkels Versprecher bei «Anne Will» gesorgt: Als Staatsoberhaupt hatte sie sich da bezeichnet - gleich zweimal. Eine Herausforderung für den Regierungssprecher.

Mit ihrer versehentlichen Selbstbeschreibung als deutsches Staatsoberhaupt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel noch am Montag Wellen geschlagen. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte zu dieser zweimaligen Äußerung seiner Chefin in der ARD-Politrunde «Anne Will» am Sonntag, es habe sich lediglich um Versprecher gehandelt, die die Kanzlerin auch selbst korrigiert habe.

Spekulationen, ob sich hinter den Versprechern Karriereträume Merkel verbergen könnten oder gar, ob die Passage mit Bundespräsident Horst Köhler abgesprochen gewesen sei, wies Wilhelm eher belustigt zurück. Merkel habe vielmehr den «erfüllbaren Traum, weiter Kanzlerin zu bleiben», hielt er fest.

Ob Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier dies genauso sehe, wollten Journalisten daraufhin von Außenamtssprecher Jens Plötner wissen. Man befinde sich hier, erklärte dieser, «in der Domäne konkurrierender Träume». Damit löste er auf der Pressebank zunächst lautes Gelächter aus. Es werde, fuhr Plötner zum Thema Träume fort, nur einer zu verwirklichen sein. «Beide werden daran arbeiten, jeweils ihren zu erfüllen». Dabei werde es keiner an Respekt für den Traum des jeweils anderen mangeln lassen, fügte er in einer eher untypischen Passage für eine montägliche Bundespressekonferenz hinzu.

«besser gesagt als Kanzlerin»
Die Bundeskanzlerin war in der Sendung «Anne Will» gefragt worden, ob sie mit ihrer Kritik im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikation des den Holocaust leugnenden Bischofs Richard Williamson durch Papst Benedikt XVI. nicht ihre Partei vor den Kopf gestoßen habe.

Darauf antwortete Merkel: «Es war eine schwierige Entscheidung aus meiner Sicht, aber notwendig, weil ich als deutsches Staatsoberhaupt nach meiner Auffassung die Pflicht habe, klarzumachen, dass die Leugnung des Holocausts und Antisemitismus nicht im Raum stehenbleiben dürfen. Das hat nichts mit der persönlichen Haltung des Papstes zu tun. Das habe ich sehr deutlich gemacht - der da über jeden Zweifel erhaben ist - sondern es blieb... die Sorge, dass Leugnung des Holocaust ohne Folgen sein könnte, und dazu habe ich mich geäußert, und das muss ich, als deutsches Staatoberhaupt - oder besser gesagt, als deutsche Bundeskanzlerin tun» (anhaltender Beifall der Studiogäste). (Frieder Reimold, AP)