22.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Gottesdienste - nicht nur für Kirchensteuerzahler
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Mehrere evangelische Bischöfe machen deutlich, dass die Christmessen ein Angebot für alle Menschen sind. Zuvor hatten Politiker von CDU und FDP gefordert, die Gottesdienste vorrangig für Kirchensteuerzahler zu öffnen.
Die evangelische Kirche hat mehrere Politiker von CDU und FDP attackiert. Er sei «erschüttert, dass man einen solchen Gedanken nicht nur hegt, sondern auch noch öffentlich ausspricht», sagte der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ulrich Fischer, am Montag.
Der Vorschlag, Heiligabend-Gottesdienste vor allem für Kirchensteuerzahler anzubieten, sei ein «großer Blödsinn», sagte Fischer. »Siehe ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird«, habe der Engel zu den Hirten am Weihnachtsabend (Lukas 2,10) gesprochen, erinnerte Bischof Fischer.
»Er hat die Hirten laut dem biblischen Bericht nicht gefragt, ob sie auch brav ihre Tempelsteuer entrichtet haben.« Die Verkündigung des Weihnachtsevangeliums sei also nicht an eine Bedingung geknüpft worden. »Daher halte ich den Vorschlag, nur Kirchensteuerzahlern den Weihnachtsgottesdienstbesuch zu gestatten, angesichts der frohen Botschaft, die allen Menschen gilt, schlicht für einen großen Blödsinn.«
«Wir feiern Weihnachten kein Vereinsfest»Der württembergische evangelische Bischof Otfried July sagte: »Wir feiern an Weihnachten kein Vereinsfest.« Kirche sei kein geschlossener Verein. Gerade in der Weihnachtsgeschichte werde gesagt, »dass die frohe Botschaft des Evangeliums allem Volk gesagt werden soll«.
Wie die württembergische Landeskirche weiter mitteilte, erkauft man »sich mit der Kirchenmitgliedschaft keinen Sitzplatz am Heiligen Abend in der Kirche«. Wem es an Heiligabend zu voll sei, »ist herzlich eingeladen an den zahlreichen anderen Gottesdiensten in der Weihnachtszeit oder übers Jahr teilzunehmen«.
Auch Nicht-Christen sind willkommenDer mecklenburgische evangelische Landesbischof Andreas von Maltzahn betonte, gerade am Heiligen Abend seien auch Nicht-Christen in der Kirche willkommen. »Wie gläubig oder ungläubig man sich auch fühlen mag, wie innerlich zerrissen oder festlich gestimmt, für jede und jeden kommt Gott zur Welt«, heißt es in seiner am Montag in Schwerin verbreiteten Weihnachtsbotschaft.
Das baden-württembergische CDU-Vorstandsmitglied Thomas Volk hatte der «Bild»-Zeitung vom Montag gesagt: «Ich bin dafür, dass Messen am 24. Dezember nur für Kirchensteuerzahler offen sind.» Dies sei nötig, um Überfüllungen zu verhindern. Der Vorsitzende der Berliner FDP-Fraktion, Martin Lindner, plädierte für ein Sitzrecht für Kirchenmitglieder in Gottesdiensten am 24. Dezember. (epd)