Deutschlandweite Fahndung: 

netzeitung.deDie Suche nach dem Bombenleger

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Der Chefarzt am Berliner Unfallkrankenhaus, Andreas Eisenschenk erklärt die Verletzungen am Arm der 12-jährigen Charlyn. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Chefarzt am Berliner Unfallkrankenhaus, Andreas Eisenschenk erklärt die Verletzungen am Arm der 12-jährigen Charlyn.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Detonation einer Briefkasten-Bombe in Berlin hat der 12-jährigen Charlyn beinahe den rechten Arm kostet. Ihr Onkel, der mutmaßliche Täter, ist bereits seit zehn Tagen erfolgreich auf der Flucht.

Charlyn ist mittlerweile aus dem Koma erwacht. Ihr rechter Arm ist mit mehreren Verbänden umwickelt. Das blonde Mädchen hat auch Verbrennungen im Gesicht und am Oberkörper. Ihr Zimmer im Berliner Unfallkrankenhaus wird Tag und Nacht von Polizisten bewacht. Die Kollegen der Polizisten fahnden mittlerweile deutschlandweit nach dem Mann, der ihr das angetan haben soll: ihrem Stief-Onkel, Peter John, 32 Jahre alt, arbeitslos.

Am Mittwochnachmittag vergangener Woche explodierte im Selgenauer Weg in Berlin-Rudow eine Bombe in einem Briefkasten. Die 12-jährigen Charlyn kam gerade vom Hort nach Hause und wollte die Post aus dem Kasten holen. Da zerriss es dem Mädchen den rechten Arm.

Für die Polizei stand der Täter schnell fest. Seit mehr als einer Woche fahnden sie bereits nach dem Stiefbruder von Charlyn Mutter, Peter John. Er lag angeblich schon lange im Streit mit der Familie, das Motiv war nach Angaben der Polizei jahrzehntelang gewachsen. Im Familienkreis soll der Stiefbruder bereits öfter aggressiv aufgefallen sein. Während Peter John nach seiner Zeit bei der Bundeswehr ins kriminelle Millieu abglitt, gründete seine Stiefschwester eine Familie und führte ein glückliches Leben.

Interesse für Sprengstoff aus Wehrdienst-Zeiten
Mit zwei bis drei Jahren soll der von seinen leiblichen Eltern vernachlässigte Junge mit seiner Schwester in eine Pflegefamilie gekommen sein. Welt Online berichtet, die Geschwister sollen halbverhungert aus einem Stall befreit worden sein. Nach Angaben einer ehemaligen Betreuerin habe Peter John auch in der Pflegefamilie immer wieder unter «Essensentzug, körperlichen Strafen und Vernachlässigung» gelitten.

Die Polizeiakte des Gesuchten umfasst bis heute bereits 50 Einträge. Nach seinem Wehrdienst bei der Bundeswehr hat er nie einen Beruf erlernt. Medienberichten zufolge soll er dort aber seine Vorliebe für Waffen und Sprengstoffe entwickelt haben.

Charlyns Vater hatte am Morgen des Briefkasten-Attentats ein Päckchen auf dem Dach seines Autos gefunden. Er warf es ohne große Beachtung ins Auto. Nachmittags kam ihm die ganze Sache doch verdächtig vor und er brachte das Päckchen zu einer Polizei-Dienststelle. Dort stellten Experten des Landeskriminalamtes den Inhalt fest: Sprengstoff. Das war etwa 20 Minuten bevor der Briefkasten der Familie in die Luft flog.

Unschuldiger wurde festgenommen
Die Fahndung nach dem mutmaßlichen Sprengstoffattentäter hält Berlin in Atem. Mordkommision, Sondereinsatzkommando (Sek), das Mobile Einsatzkommando (Mek) sowie Psychologen halten sich nach Aussagen eines Polizeisprechers in ständiger Bereitschaft. Anfang dieser Woche hatte die Polizei einen unschuldigen Mann festgenommen, der dem mutmaßlichen Täter zum verwechseln ähnlich sah.

Seit dem Briefkasten-Anschlag vom 26.11.2008 sind bis Mittwochabend 66 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, seit Donnerstag gab es allerdings keine neuen Tipps. Die Polizei vermutet, dass Peter John sich immer noch in der Berlin aufhält. Man stuft ihn als sehr gefährlich ein, weil er eventuell noch Sprengstoff bei sich haben könnte. Der Polizeipräsident hat 10 000 Euro Belohnung für Hinweise zur Ergreifung ausgesetzt, das ist doppelt soviel wie sonst üblich. Unter den Rufnummern 4664-978 311 oder 4664-911 201 werden Anrufe entgegengenommen.

Nach Berichten der Berliner Zeitung geht es Charlyn mittlerweile wieder besser. Nach dem Unfall musste sie für wenige Tage in künstliches Koma versetzt werden, ist mittlerweile aber wieder erwacht. Chefarzt Andreas Eisenschenk vom Unfallkrankenhaus Berlin versicherte der Zeitung «die Patientin sieht und hört gut und man sich mit ihr unterhalten. Dennoch stünden noch etwa fünf Operationen aus, so der Chefarzt, um die vielen Knochenbrüche im Arm zu stabilisieren. (nz/dpa)