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Deutsch ins Grundgesetz: 

Oder vielleicht doch einfach chillen?

04. Dez 2008 20:53
Noch viel Platz drin: Das Grundgesetz
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Eine Grundgesetzgarantie für schönes Wetter?! Das wäre was. Die CDU versucht, die deutsche Sprache in das Artikelwerk zu intergrieren. Die Netzeitung zeigt schon mal, wie man Texte verfassungsgemäßer als die Verfassung macht.

Die CDU würde die deutsche Sprache gern im Grundgesetz verankern. Das hat sie gerade auf ihrem Bundesparteitag beschlossen. Offenbar scheint es den Konservativen nicht mehr selbstverständlich, dass man in Deutschland auch deutsch spricht. Vielleicht machen diese ganzen Anglizismen ihnen Angst, die vor allem aus dem weltweiten Netz massenweise nach Deutschland einwandern.

Gesetzt den Fall, der Plan wird wahr, bekommen wir dann also ein Gesetz, das Deutsch nicht nur vorschreibt, sondern Fremdwörter sogar verbietet? Denn Tierschutz steht ja auch in der Verfassung, und trotzdem darf der Fleischer Schweine schlachten und wir dürfen im Sommer Mücken erschlagen.

Was wäre also, wenn Deutsch wirklich pures Deutsch sein müsste? Die Netzeitung spielt das mal durch und zeigt, wie man Zeitungstexte so formuliert, dass der Anteil nicht-deutscher Begriffe gegen Null geht. Zuvor auf dem Weg schnell noch einen Coffee to g…, ups, einen Geh-Kaffee im Coffee Sh…, nein, im Kaffee-Laden geholt, im Li…, nein im Aufzug etwas small t…, quatsch, eine kurze Plauderei, dann weiter zum brainst…, ups, zur Denkrunde an den Schreibtisch, wo der Rechner im standb…, nein, in Bereitschafts-Einstellung schlummert.

Dann ran an den ersten Text. «Kommunikation», «Metropole», «Mikroblogging», «live», «Medien» – schon vier Fremdwörter im ersten Absatz. «Man kann auf dem Verständigungsdienst Twitter alles richtig machen – so geschehen zuletzt während der Anschläge in der indischen Großstadt Bombay, als viele Nutzer des Netz-Kleinsttagebuch -Dienstes ihre Augenzeugenberichte in Echtzeit ins Netz stellten und damit deutlich schneller als die meisten Funktionsträger der Informationsübermittlung waren>>>.

Im zweiten Absatz sieht es besser aus, nur das «Web» und die «Offline-Bastionen» müssen weg. Das ist eine Herausforderung für eine internetaffi…, äh, netznahe Zeitung, aber es geht: «Und man kann auf Twitter alles falsch machen. Etwa wenn ein großer deutscher Verlag entdeckt, dass die Netz-Plattform doch auch zum Werbeträger fürs eigene Verlagsprogramm taugen könnte. Auch der altehrwürdige Suhrkamp-Verlag nutzt Twitter. Das ist erstmal nicht schlecht, zeigt das doch, dass auch unvernetzte Festungen am Netz und seinen Kommunikationsstrukturen interessiert sind.

Bei der Netzeitung hätte die CDU also zumindest sprachlich nicht viel zu bemängeln. Auf der Homep…, nein, der Startseite (oder ist es, noch deutscher, eine Anfangsseite?) des Netz- und Informationsübermittlungstechnik-Fachdienstes Golem.de herrscht größerer Nachbesserungsbedarf: «Opera 10 besteht Acid3-Test und rendert schneller»>>> . Das klingt nach viel Arbeit. Neun Fremdwörter auf sechs Zeilen: «Version», «Alphaversion», «optimierte» «Rendering-Engine», «Prozent», «Browser», «integrierte», «Korrektur», «E-Mail-Client» müssen weg. Nur Eigennamen dürfen gegen das Grundgesetz verstoßen.

«Die nächste Hauptvariante von «Opera» steht ab sofort als Erstvariante zum Ausprobieren bereit. «Opera 10» erhält eine verbesserte Anordnungs-Darstellung, die bis zu 30 von Hundert schneller arbeitet und den «Acid3»-Test besteht. Außerdem bietet der Netzdarsteller nun eine eingefügte Rechtschreibverbesserung und die E-Post-Anwendung wurde überarbeitet. »

Das klingt wie aus einem Netz-Übersetzungsdienst, oder? Genug fürs erste, jetzt schnell was essen. Wo war doch der Fly…, ups, der Handzettel vom Pizzadienst (also von denen mit dem belegten, gebackenen Teig)? Beim Griff zum Telef…, quatsch, zum Fernsprecher fällt der Blick auf das Displ…, das Sichtfeld des Gerätes: Vier Anrufe in Abwesenheit. Das muss bis nach dem Backwerk warten. Ach ja, das war Lisa, da ist noch das Treffen zu canceln…, äh, abzusagen, denn wir wollten ja ins Kino…, den Blockbuster…. mit anschließendem «all you can eat»…. Vielleicht ist es ja besser, heute einfach zu chillen…, sorry…, Entschuldigung…, einfach auszuruhen. (nz)

 
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