04.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Feuerwehr versuchte die oberen Stockwerke zu schützen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Tödliche Armut: Weil ihm der Strom abgestellt wurde, beleuchtete ein 62-Jähriger in Leipzig seine Wohnung mit Kerzen. Das wurde dem ganzen Haus zum Verhängnis.
Bei einem verheerenden Brand in einem Leipziger Mehrfamilienhaus sind in der Nacht zum Donnerstag ein Mensch getötet und 15 weitere zum Teil schwer verletzt worden. Das Feuer war am späten Mittwochabend in einer Erdgeschosswohnung des fünfgeschossigen Hauses im Stadtteil Lausen-Grünau ausgebrochen, in der später auch die Leiche gefunden wurde.
Ursache des Feuers war nach ersten Erkenntnissen vermutlich eine brennende Kerze, die Mobiliar in Brand setzte, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Nach Polizeiangaben wurde der Strom in der Wohnung bereits vor längerer Zeit abgestellt. Der Mieter habe sich deswegen mit Kerzen beholfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei dem Toten um den 62-jährigen allein lebenden Mieter der Wohnung handelt, der eingeschlafen war. Letzte Gewissheit soll eine Obduktion bringen. Geklärt werden soll damit auch, ob der Mann zum Todeszeitpunkt bewusstlos war.
Wie es hieß, wurde von den zumeist älteren Mitbewohnern niemand schwer verletzt. Acht Mieter befinden sich wegen Anzeichen auf Rauchgasvergiftung derzeit aber noch in der Klinik. Die Feuerwehr war rund zwei Stunden im Einsatz, um ein Übergreifen der Flammen auf andere Wohnungen zu verhindern und die Bewohner in Sicherheit zu bringen. 30 Menschen wurden insgesamt aus dem sechsstöckigen Plattenbau in Sicherheit gebracht, wie die Polizei berichtete. Die Geretteten wurden vorübergehend in einem Linienbus von mehreren Notärzten betreut.
Als das Feuer gelöscht war, wurden noch zwei Menschen in dem Haus entdeckt: In der fünften Etage wohnte ein schwerbehinderter Mann, der sich nicht selbst ins Freie hatte retten können. In einer anderen Wohnung im fünften Stock hielt sich noch ein Volltrunkener auf. Die Brandursache war zunächst unklar, Experten untersuchten am Donnerstag den verwüsteten Brandort. (AP/dpa)