Von Weihnachtsmärkten und Dieben:
Betrüger nutzen Weihnachtsstimmung aus
03. Dez 2008 14:27, ergänzt 14:29
 |  Ist der echt oder ein Fake? | Foto: AP |
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Die Polizei rät zu besonderer Vorsicht im vorweihnachtlichen Rummel: Betrüger nutzen das Mitgefühl im Advent aus. Ganz wild haben es jedoch falsche Nikoläuse in Australien getrieben.
In der Adventszeit sollen Weihnachtsmärkte und geschmückte Innenstädte eigentlich Stimmung verbreiten - doch Diebe nutzen gerade Budenzauber und Einkaufsrummel für ihre Tricks.
Und nicht nur dort sollte man bei aller Besinnlichkeit einen kühlen Kopf bewahren und nicht unfreiwillig Geschenke an die Falschen verteilen: Denn Betrüger missbrauchen das Mitgefühl der Zeitgenossen in der Vorweihnacht und bieten Waren zu überhöhten Preisen an, deren Verkauf angeblich Behinderten zugute kommt, wie Ermittler warnen.
Zum Weihnachtsmarkt in Stuttgart beispielsweise füllen Gäste auch aus dem Ausland ganze Busse - nach Erfahrung der Polizei reisen aber auch Langfinger eigens an. «In der Vorweihnachtszeit gibt es mehr Taschendiebstähle», sagt Jens Lauer, Sprecher des Polizeipräsidiums. Viele Besucher trinken nicht nur Glühwein, sondern kaufen auch in den umliegenden Geschäften ein und haben deshalb oft viel Bargeld dabei. Deshalb dehnen die Diebe ihr Jagdrevier auf die Shoppingmeilen aus.
Diebe lenken Opfer im Gedränge ab
Die Polizei hat daher nicht nur die Budendörfer selbst im Auge: «Es sind gezielt Beamte auf dem Weihnachtsmarkt und in der Innenstadt im Einsatz, die auf Taschendiebstahl spezialisiert sind», sagt Lauer. Die Polizisten warnen auch Weihnachtsbummler, die beispielsweise den Rucksack nicht ganz geschlossen haben. Zu den Uniformierten kommen laut Lauer auch Beamte in Zivil, weil nur sie die Chance hätten, die Diebe auf frischer Tat zu ertappen.
Nach Erfahrung der Polizei in Rheinland-Pfalz nutzen die Taschendiebe meist Gedränge, das ohnehin herrscht oder das sie verursachen, und lenken ihre Opfer zusätzlich ab - zum Beispiel, indem sie die Passanten anrempeln, ihre Kleidung beschmutzen oder nach dem Weg fragen.
Der suchende Blick
Selbst, wenn der Dieb selbst gestellt wird, können Geld, Ausweise und EC-Karte weg sein: Die Geldbörse verschwinde beispielsweise schnell in einer Zeitung unter dem Arm des Diebes, der diese samt Beute gleich an einen Komplizen weitergebe, sagt Polizei-Sprecher Lauer. Marktbesucher sollten Geld, Schecks, Kreditkarten und Papiere in verschiedenen verschlossenen Innentaschen möglichst dicht am Körper tragen, rät die polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Hand- und Umhängetaschen sollten verschlossen auf der Körpervorderseite getragen oder unter den Arm geklemmt werden und im Restaurant, im Kaufhaus und selbst bei der Anprobe von Kleidung nie unbeaufsichtigt sein.
Taschendiebe lassen sich den Experten zufolge am suchenden Blick erkennen: Sie meiden den direkten Blickkontakt zum Opfer und schauen eher nach der anvisierten Beute.
Behindertenwerkstätten warnen vor Masche
Doch nicht nur auf Weihnachtsmärkten versuchen Betrüger, von der vorweihnachtlichen Stimmung zu profitieren. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen warnt vor einer Masche, bei der zweifelhafte Geschäftemacher überteuerte Waren anbieten. Die Betrüger appellieren demnach an das Mitgefühl, indem sie behaupten, der Verkauf komme Behinderten zugute. Manchmal werde sogar mit Phantasieausweisen Seriosität vorgegaukelt. Wer solche Angebote an der Haustür ablehnt, müsse aber kein schlechtes Gewissen haben: Behindertenwerkstätten verkaufen nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft keine Produkte zwischen Tür und Angel. Bei Waren aus Blindenwerkstätten ist ein Verkauf an der Haustür zwar nicht ganz auszuschließen, kommt aber nur noch in sehr geringem Maß vor, wie Christine Stegmann vom Bundesverband staatlich anerkannter Blindenwerkstätten sagt.
Überfall-Weihnachtsmänner
Produkte aus Blindenwerkstätten seien an einem schwarz-gelben Symbol mit zwei Händen und einer Sonne zu erkennen. «Zur Not kann man den Bundesverband anrufen», rät Stegmann. Die australische Polizei in Townsville warnte die Einwohner vor Räubern im Nikolauskostüm. Die Männer überfielen einen Bowlingclub, bedrohten die Mitarbeiter mit Messern und machten sich dann mit dem Bargeld aus der Kasse davon, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Sie ermittelt nun in Kostümverleihen und Geschäften, die Weihnachtsausstattung verkaufen. Von den Tätern fehlte zunächst jede Spur. (Samuel Heller, AP/dpa)