Prozess in Aachen:
Sechs Jahre Haft für Geldwäscher
21. Nov 2008 17:36
 |  Bernd Dieter Kramer (rechts) mit einem Justizbeamten | Foto: dpa |
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Er gilt als der clevere Kopf der Bande, die das Lösegeld aus der Reemtsma-Entführung «weiß» machen sollte. Vor Gericht gab er sich kooperativ, aber das ersparte Bernd Dieter Kramer nicht die hohe Strafe.
Bernd Dieter Kramer war Herr über viele Millionen aus dem Reemtsma-Lösegeld. Er gilt als clever und hochkriminell. Vor Gericht gab er sich freundlich und kooperativ. Der Komplize des Reemtsma-Entführers Thomas Drach ist am Freitag wegen Geldwäsche von Lösegeld-Millionen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Kramer habe 250.000 US-Dollar und sechs Millionen Schweizer Franken transportieren und verstecken lassen, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht Aachen, Wolfgang Bender. Der 59-Jährige wurde wegen bandenmäßiger und gewerbsmäßiger Geldwäsche in drei Fällen verurteilt.
Der kleine schmale Mann auf der Anklagebank schien betroffen von dem Urteil. Mit gesenktem und rotem Kopf und unbewegter Mimik nahm der in den vorherigen Prozesstagen so agil und offen wirkende Kramer seine Strafe entgegen. Absitzen wird er tatsächlich nur etwa drei Jahre Haft. Die Auslieferungshaft in Brasilien wird zweifach angerechnet. Dorthin hatte sich Kramer nach der Festnahme von Thomas Drach abgesetzt, in dem südamerikanischen Land war der Geldwäscher 2006 verhaftet worden. Mit Kramer wird vorerst der Letzte aus der Geldwäsche-Bande im Aachener Dreiländereck verurteilt. Der 59-Jährige habe sich in dem Prozess kooperativ gezeigt, sagte der Richter, «aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er der strategische und konzeptionelle Kopf der Bande war», sagte Bender.
Kurier brachte Viertelmillion nach Brasilien
Thomas Drach hatte 1996 bei der Entführung des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma 30 Millionen Mark erpresst. Dafür saß Drach 1999 in Argentinien in Auslieferungshaft und brauchte Geld – für sich und für teure Anwälte. «Drach brauchte erhebliche Summen. Es stellte sich die Frage, wie bekommen wir die Mittel rüber nach Südamerika». Kramer löste das Problem: Er organisierte einen Kurier, der 250.000 US-Dollar nach Brasilien brachte. Er selbst nahm das Geld dort entgegen.Derselbe Kurier brachte kurz danach sechs Millionen Schweizer Franken nach Madrid. Nachdem dort offensichtlich geplante Geldgeschäfte platzten, kümmerte sich Kramer darum, dass das Geld zurück nach Deutschland kam. Der schon bewährte Kurier, ein Physiotherapeut, holte das Geld zurück und mauerte es auf Kramers Befehl in seiner Praxis ein.
Ab Lüttich verliert sich die Spur
Kurze Zeit danach gab Kramer neue Order. Das Geld sollte einem Kontaktmann auf dem Lütticher Bahnhof übergeben werden. «Ab da verliert sich die Spur der sechs Millionen. Wo sie verblieben sind, wissen wir nicht», sagte Bender. Kramer hatte in dem Prozess nicht nur diese drei Fälle von Geldwäsche gestanden. Er hatte große Teile des Lösegeldes gesteuert, blieb aber immer auf sichere Distanz zu dem Geld. So ließ er 6,5 Millionen D-Mark bei seinem Bruder unter der Badewanne im belgischen Grenzort Kelmis einmauern und vergrub 1,5 Millionen US-Dollar unter dessen Gartenteich. «Er (Kramer) agierte aus der Deckung», sagte Richter Bender. Dabei sei er mit einem hohen Maß an Professionalität und mit hoher krimineller Energie vorgegangen.
Trotzdem durfte das Gericht diese weiteren Taten, bei dem wesentlich größere Geldsummen bewegt wurden als angeklagt, nicht bestrafen. Sie waren nicht Gegenstand des Auslieferungsantrags an Brasilien und unterliegen dem sogenannten Spezialitätsgrundsatz.
«Da ist noch etwas»
Kramer hatte in dem Prozess gesagt, dass von den Lösegeld-Millionen nichts mehr übrig sei. Der Richter sah das anders. «Es liegt die Vermutung nahe: Da ist noch etwas da», sagte der Richter. Bisher waren umgerechnet zwei Millionen D-Mark aufgetaucht. «Weder Herr Drach noch Herr Kramer werden nach ihrer Haftentlassung Freude an dem Geld haben», prophezeite Bender. Sie würden dann ständig unter Beobachtung stehen. (Von Elke Silberer, dpa)