Prozess vor Amtsgericht:
Falsche Ärztin wegen Betrugs verurteilt
19.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Sie habe aus familiärem Leistungsdruck und aus Liebe zum Arztberuf gehandelt, sagte die 34-Jährige vor Gericht. Nach dem Scheitern ihres Studiums habe sie nicht die Kraft gehabt, sich Verwandten oder Freunden zu offenbaren. Später habe sie sich immer weiter in eine «Welt der Selbsttäuschung» verstrickt, weil sie als Ärztin «glücklich» gewesen sei und den Gedanken an die Folgen verdrängt habe. «Es war ein großer, ein sehr schwerer Fehler.»
Die Staatsanwältin bezeichnete das Verhalten der Angeklagten als «einen vom Persönlichen her tragischen Fall». Aber sie habe sich vielfach strafbar gemacht, indem sie sich unberechtigterweise als Ärztin ausgegeben habe. Damit habe sie einen «Vertrauensschaden» bei den kranken Kindern und deren Angehörigen verursacht - auch wenn sie für ihre Arbeit offensichtlich auch ohne bestandene Abschlussprüfung hinreichend qualifiziert gewesen sei. «Letztlich müssen sich die Patienten und die Eltern von Patienten darauf verlassen können, dass der Arzt auch ein Arzt ist», sagte die Anklagevertreterin.
Die 34-Jährige habe sich ihr eigenes Versagen nicht eingestehen wollen, betonte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Aus eigennützigen Gründen habe sie daher «etwas getan, was ihr nicht zusteht». Auch die Richterin sprach von einem schweren «Vertrauensbruch» gegenüber Patienten und Kollegen. Dass die Angeklagte fachlich und menschlich gute Arbeit geleistet habe, mache den Fall zwar «außergewöhnlich». Sie habe sich mit den Fälschungen und der damit erschlichenen Beschäftigung am UKE aber dennoch schuldig gemacht. (dpa)

