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Moderne Seeräuberei: 

Das dicke Geschäft der Piraten

18. Nov 2008 14:23
Die klassische Piratenflagge wirkt heute auch noch
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Weder Augenklappe noch Krummsäbel zeichnen den modernen Piraten aus, stattdessen aber Satellitentelefone und automatische Waffen. Das erfolgreiche Kapern von Schiffen sorgt für ein neues «Berufsbild».

«Sie haben die schönsten Frauen, die schnellsten Autos und die besten Waffen.» Wenn Küstenbewohner in Puntland im Norden Somalias von den Piraten sprechen, klingt Bewunderung mit. Die modernen Seeräuber, die allein in diesem Jahr mehr als 60 mal vor der Küste Somalias zuschlugen, gelten dank der Millioneneinnahmen aus dem erpressten Lösegeld als Rollenvorbilder und wirtschaftlich erfolgreiche «Macher-Typen». Im bitterarmen, von Gewalt, Anarchie und Bürgerkrieg geprägten Somalia gilt die moderne Seeräuberei durchaus als gesellschaftsfähig.

Mit ihrem Überfall auf den mit zwei Millionen Barrel Rohöl (318 Millionen Liter) beladenen saudischen Super-Tanker «Sirius Star» haben die Piraten am Wochenende jedoch die bisherigen Dimensionen der modernen Seeräuberei am Horn von Afrika gesprengt. Noch nie zuvor hatten die somalischen Piraten ein solch großes Schiff - der erst im März fertiggestellte Tanker ist 330 Meter lang und erreicht damit die Dimension von US-Flugzeugträgern - in ihre Gewalt gebracht.

Auch haben sie mit dem Überfall angesichts der zahlreichen Kriegsschiffe, die vor der somalischen Küste für mehr Sicherheit für die Schifffahrt sorgen sollen, neue operative Wege eingeschlagen. Sie kaperten die «Sirius Star» am Samstag unweit der kenianisch- tansanischen Grenze, fern der als extrem gefährlich geltenden somalischen Küstengewässer, in denen mittlerweile Kriegsschiffe mehrerer Länder die Schifffahrtswege sichern.

«Sehr professionelle» Piraten

Von so viel Dreistigkeit zeigte sich auch Admiral Mike Mullen vom Generalstab der US-Marine beeindruckt. «Sie sind sehr professionell», sagte er, und klang dabei fast widerwillig bewundernd. Ausgezeichnet bewaffnet, exzellent vorbereitet und strategisch erfolgreich hätten die Piraten den Tanker gekapert, dessen Ladung allein knapp 80 Millionen Euro wert ist. Die Lösegeldforderung dürfte entsprechend hoch ausfallen. Ein militärischer Befreiungsschlag gilt mit Blick auf die Sicherheit der 25 Mann Besatzung an Bord des Schiffes als riskant. So übten die Kriegsschiffe denn auch am Dienstag Zurückhaltung, als die Piraten mit ihrer fetten Beute Kurs auf die somalische Küste nahmen.

Erst im April entführte Jacht Le Ponant
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Das Ziel der Seeräuber dürfte die Hafenstadt Eyl in der halbautonomen Region Puntland sein, die als Hochburg der Piraten gilt. Allein ein Drittel der Piratenüberfälle weltweit geht nach Angaben des Internationalen Seefahrtbüros auf das Konto der Seeräuber am Horn von Afrika. Der Krisenstaat Somalia, von Clanstreitigkeiten und Bürgerkrieg innerlich zerrissen und seit 1991 ohne eine funktionierende Regierung, hat keine eigene Küstenwache. Die Schiffe der US-Marine und Frankreichs, NATO-Schiffe und demnächst auch mehrere Kriegsschiffe der EU konnten die Zahl der Überfälle in den vergangenen Wochen zwar senken, aber nicht vollständig stoppen.

Die puntländische Regierung hat inzwischen die Todesstrafe für Piraterie eingeführt, aber noch kein Todesurteil vollstreckt. Selbst Regierungsmitglieder geben zu, dass Korruption ein Problem ist und die Seeräuber ihre Informanten und Helfer auch unter den Beamten des bitterarmen Landes finden. Gerne stellen sich die Piraten, die mit automatischen Waffen und Satellitentelefon im Einsatz sind, als moderne Robin Hoods vor, die eigentlich nur die Interessen somalischer Fischer vor ausländischer Konkurrenz verteidigen. Doch auch wenn es vor Jahren noch um die somalischen Fischgründe ging, inzwischen ist das lukrative Geschäft mit gekaperten Schiffen und entführten Seeleuten der wichtigste Wirtschaftszweig der Region. (Eva Krafczyk, dpa)

 
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