Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Plattdeutsche Straßenschilder stehen auf der Kippe: 

«Mir fehlen ob dieses Blödsinns echt die Worte»

17. Nov 2008 12:04
Es gibt Widerstand beim Verzicht auf plattdeutsche Straßennamen
Bild vergrößern
Alarm in Ostfriesland: Eine Gemeinde hat beschlossen, mehrere plattdeutsche durch hochdeutsche Straßennamen zu ersetzen. Bürger sind empört.

Die Globalisierung macht auch vor alten Traditionen in Ostfriesland nicht mehr Halt. Dort sind plattdeutsche Straßen- und Ortsnamen in vielen Teilen selbstverständlich und zeugen von der hohen Identität der Ostfriesen mit Kultur und Geschichte der Region.

Doch nun hat der Rat der niedersächsischen Gemeinde Großefehn beschlossen, plattdeutsche Straßennamen in einem Gewerbegebiet durch hochdeutsche Straßennamen zu ersetzen. Dadurch sollen ortsfremde und nicht plattdeutsch sprechende Lieferanten besser den Weg zu den Firmen finden.

«Mir fehlen ob dieses Blödsinns echt die Worte», schimpft Arno Rademacher aus Leer. «Viele Menschen kämpfen seit Jahren für den Erhalt der plattdeutschen Sprache. Ich kenne eher den Weg, dass alte Flur- und Ortsnamen wieder eingeführt werden - und nun so etwas!»

«Viele haben doch heute ein Navigationsgerät»

Rademacher ist Bundesvorsitzender der Partei «Die Friesen», die sich für mehr Rechte der als nationale Minderheit anerkannten Volksgruppe einsetzt. Besonders unverständlich findet er die Begründung des Rates Großefehn: Kunden und Lieferanten könnten die plattdeutschen Straßennamen nicht richtig aussprechen.

«Viele haben doch heute ein Navigationsgerät. Da kommt es nur darauf an, den Namen richtig abzuschreiben», sagt Rademacher. Bei einem Sachsen könne man «mit großer Wahrscheinlichkeit» davon ausgehen, dass er einen hochdeutschen Straßennamen auch nicht richtig aussprechen könne. Außerdem kann Rademacher nicht nachvollziehen, was etwa an dem Namen «Timmermannsring» so schwierig auszusprechen ist. Dann müsse man ja als Konsequenz auch historische Ortsnamen wie «Upleward» umbenennen.

Bürgermeister rechtfertigt Aktion

Der Aktivist im Kampf für die Friesen-Kultur hofft nun, dass der «Unsinn» aus Großefehn noch nicht zur Europäischen Union vorgedrungen ist. «Ansonsten gibt es bald eine EU-Richtlinie über die Zulässigkeit von Straßennamen», befürchtet Rademacher. Er appelliert an die Gemeinde Großefehn, die Entscheidung zu revidieren: «Wenn wir selber unsere Sprachen, unsere Kultur und Identität so gering schätzen und sie leichtfertig ersetzen, wie wollen wir dann erwarten, dass andere sie achten?»

Eine völlig andere Sicht der Dinge hat die Gemeinde Großefehn, die sich zu Unrecht am Pranger sieht. «Das ist eine ganz begrenzte Aktion», sagt Olaf Meinen. Der Bürgermeister fühlt sich Traditionen durchaus verpflichtet. Die umliegenden Orte sind auch als Fehnsiedlungen bekannt. Sie wurden vor Jahrhunderten von Siedlern gegründet, um die riesigen Moorgebiete trocken zu legen.

«Die Umbenennung betrifft nur ein 2003 gegründetes Gewerbegebiet», beteuert Meinen. Es sei durchaus problematisch, wenn Lieferanten die manchmal phonetisch komplizierten Ortsnamen am Telefon nicht richtig verstehen könnten. «Noch können wir das jetzt ändern, weil das Gebiet noch jung und die Bebauung noch nicht fortgeschritten ist.» Historische Namen sollten jedoch generell erhalten bleiben, versichert der Bürgermeister: «Das ist ein Anliegen unserer Gemeinde.» (Von Hans-Christian Wöste, dpa)

 
Drucken
Versenden
  • Bookmark:
  • Mister Wong Webnews Yigg Linkarena Google My Space Del.icio.us Oneview Facebook Twitter
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

 
Das Losglück entscheidet über Tickets für Trauerfeier: 
Online-Lotterie für Zigtausende Jackson-Fans
Wochenlang Trauerfeiern für den «King of Pop»?: 
L.A. fürchtet Chaos bei Jackson-Gedenken
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

  •  Berlin 22°
  •  Hamburg 21°
  •  Köln 23°
  •  Frankfurt 26°
  •  Stuttgart 22°
  •  München 21°
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Aus anderen Ressorts
Anzeigen:
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2009 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.