Der Aktivist im Kampf für die Friesen-Kultur hofft nun, dass der «Unsinn» aus Großefehn noch nicht zur Europäischen Union vorgedrungen ist. «Ansonsten gibt es bald eine EU-Richtlinie über die Zulässigkeit von Straßennamen», befürchtet Rademacher. Er appelliert an die Gemeinde Großefehn, die Entscheidung zu revidieren: «Wenn wir selber unsere Sprachen, unsere Kultur und Identität so gering schätzen und sie leichtfertig ersetzen, wie wollen wir dann erwarten, dass andere sie achten?»Eine völlig andere Sicht der Dinge hat die Gemeinde Großefehn, die sich zu Unrecht am Pranger sieht. «Das ist eine ganz begrenzte Aktion», sagt Olaf Meinen. Der Bürgermeister fühlt sich Traditionen durchaus verpflichtet. Die umliegenden Orte sind auch als Fehnsiedlungen bekannt. Sie wurden vor Jahrhunderten von Siedlern gegründet, um die riesigen Moorgebiete trocken zu legen.
«Die Umbenennung betrifft nur ein 2003 gegründetes Gewerbegebiet», beteuert Meinen. Es sei durchaus problematisch, wenn Lieferanten die manchmal phonetisch komplizierten Ortsnamen am Telefon nicht richtig verstehen könnten. «Noch können wir das jetzt ändern, weil das Gebiet noch jung und die Bebauung noch nicht fortgeschritten ist.» Historische Namen sollten jedoch generell erhalten bleiben, versichert der Bürgermeister: «Das ist ein Anliegen unserer Gemeinde.» (Von Hans-Christian Wöste, dpa)