Aussage im Holzklotz-Prozess: 

netzeitung.de«Die Kinder sprechen jeden Tag davon»

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Die Tatwaffe (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Tatwaffe
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Im Mordprozess um die Holzklotzattacke bei Oldenburg hat der Ehemann des Opfers bei seiner Aussage das tragische Ereignis geschildert: «Die Kinder schrien, ich habe das noch nie so gehört. Es war schrecklich!«

Der 37-Jährige und die beiden Kinder hatten am Ostersonntag mit der Familienmutter in einem Auto gesessen, als ein von einer Autobahnbrücke geworfener Holzklotz die Mutter erschlug. Gegen 20 Uhr habe es einen schrecklichen Knall gegeben, schilderte der 37-jährige Wladimir K. Der Holzklotz habe die Frontscheibe durchschlagen und die 33-jährige Olga K. auf dem Beifahrersitz getroffen.

Der Ehemann sagte vor Gericht, er sei mit Tempo 130 bis 140 gefahren. Zunächst habe er nicht verstanden, was geschehen sei. «Die Kinder, die schrien, ich habe das noch nie so gehört, es war schrecklich!» Er habe mit Mühe den 3er-BMW auf dem Standstreifen gestoppt und die Warnblinkanlage angestellt. Dann habe er zwei Mal seine Frau angesprochen, aber keine Antwort bekommen. In der Beleuchtung des Innenlichts habe er dann gesehen, wie ihr Kopf herunter hing und am Hals eine schwere Verletzung war. Der Holzklotz habe mit Glassplittern auf ihrem Schoß gelegen, sagte der 37-Jährige. Er habe ihr den Puls gefühlt, aber kein Lebenszeichen gespürt. «Mir war bewusst, sie ist sehr schwer verletzt», so Wladimir K.
Jede Hilfe kam zu spät
Er habe die Notrufnummer 110 gewählt, die Kinder zu beruhigen versucht und sich daran gemacht, seiner Frau mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung und einer Herzmassage zu helfen. Dabei habe er Blut unter dem Pullover und die Rippenbrüche gespürt. Wladimir K. berichtete außerdem, dass er versucht habe, ein Auto anzuhalten. Kurz darauf traf ein Krankenwagen ein. Zusammen mit einem Sanitäter trug er seine Frau aus dem Auto. Für sie kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Über den Zustand seiner Kinder sagte der Witwer: «Sie haben es schwer und sprechen noch jeden Tag davon, besonders meine Tochter.» Der neun Jahre alte Sohn und die sieben Jahre alte Tochter hatten auf der Rückbank gesessen. Sie besuchten einen Psychologen, sagte Wladimir K., der als Nebenkläger an dem Prozess teilnimmt. Er selbst versuche, allein klarzukommen. «Ich gehe zur Arbeit, die hilft mir, aber es ist schwer.» Die Polizistin, die als erste am Tatort war, sagte vor Gericht, sie habe den Ehemann als «unheimlich nervenstark und gefasst» erlebt.

Beschuldigter zeigte keine Regung
Angeklagt ist in dem Mordverfahren ein 30 Jahre alter drogensüchtiger Mann aus Rastede, der den fast sechs Kilo schweren Holzklotz auf das Familienauto geworfen haben soll. Zum Prozessauftakt schwieg der Beschuldigte; der Aussage des Witwers folgte er ohne sichtbare Regung.

Der Drogensüchtige hatte zunächst bei der Polizei gestanden, den Klotz aus Frust hinunter geworfen zu haben. Später widerrief er das Geständnis. Für Überraschung sorgte ein anonymer Brief an die Staatsanwaltschaft, den die Staatsanwaltschaft vorlegte und den der Vorsitzende Richter verlas. Demnach habe Nikolai H. nach eigenem Geständnis 1998 einen Unfall mit zwei Toten verursacht. Verteidiger Matthias Koch sagte, der Sachverhalt sei bekannt. Sein Mandant habe damals aber nur behauptet, gefahren zu sein. Dies habe die Staatsanwaltschaft durch ein Fahrergutachten widerlegt. (dpa, AP)