Großeltern auf Zeit: 

netzeitung.de«Kann ich Opa zu dir sagen?»

 Herausgeber: netzeitung.de

 (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine Kölner Initiative vermittelt Ersatzgroßeltern. Viele Familien haben Interesse. Doch an Differenzen mit den Eltern kann eine solche Beziehung schon mal scheitern.

Wenn Konrad Steils von seinen Enkeln spricht, gerät er ins Schwärmen: «Der ältere interessiert sich besonders für technische Dinge, der hat eine unheimlich tolle Fantasie und baut alles Mögliche zusammen. Dem jüngeren soll ich jetzt Schach spielen beibringen.» Dass die beiden nicht ihre leiblichen Enkel sind, haben er und seine Frau schon fast vergessen.

Denn Konrad und Brigitte Steils sind seit eineinhalb Jahren Ersatzgroßeltern. Vermittelt hat sie die Kölner Initiative «Zeit mit Kindern». Bereits seit sechs Jahren gibt es in Köln diese Großeltern-Kind-Vermittlung, nach wie vor eine private Initiative. Die Idee dazu kam der Innenarchitektin Ulla Ueberreiter-Michovius, als sie von einem Berliner Projekt hörte. Dort geht es allerdings vorrangig um Kinderbetreuung inklusive Aufwandsentschädigung für die «Großeltern». Das schwebte der Kölnerin nicht vor.

«Die Familien, die zu 'Zeit mit Kindern' kommen, wünschen sich in erster Linie eine Großmutter oder einen Großvater, weil sie keine leiblichen Großeltern vor Ort haben», erzählt die 69-Jährige. Meist gehe es ihnen darum, eine ältere Bezugsperson zu haben, mit der man sich auch über die Kinder austauschen könne. Nur rund ein Drittel derjenigen, die sich an sie wenden, sind denn auch Alleinerziehende.

Ein Anruf, dann ging es ganz schnell
Den Senioren gehe es meist darum, eine sinnvolle Aufgabe zu haben und jemandem helfen zu können. «Manchmal aber kommt bei älteren Frauen, die keine eigenen Kinder hatten, Sehnsucht auf, ein Kind aufwachsen zu sehen», erzählt Ueberreiter-Michovius. Ganz ähnlich ging es den Steils: Ihre eigene Tochter wohnt in London und hat keine Kinder. Ganz zufällig hörten sie von der Großelternkindvermittlung: «Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und da lag auf einmal dieses gelbe Blatt mit der Nummer dieser Vermittlung», erzählt Konrad Steils.

Nach einem Anruf bei der Vermittlung ging auf einmal alles sehr schnell: Schon drei Wochen später waren Steils bei ihren zukünftigen «Enkelkindern» - von Befangenheit keine Spur: «Die Jungs waren gleich ganz locker und stellten viele Fragen», sagt er. «Sie wollten wissen, ob sie mich Opa nennen könnten. Inzwischen sagen sie aber einfach Konrad zu mir.» Einmal die Woche holen die beiden die Kinder von der Schule ab. In seiner Rolle geht der 68-Jährige sichtlich auf. «Ich tobe gern und die beiden Jungs halten mich auf Trab», meint er.

Nicht immer reibungslos
Derzeit plant er einen Ausflug ins Frankfurter Dinosauriermuseum. «Da war ich schon mit meiner Tochter als sie sechs Jahre alt war», erzählt er. Nur in den wenigsten Fällen vermittelt Ueberreiter-Michovius Oma und Opa: «Ehepaare als Großeltern zu gewinnen ist schwierig, viel eher machen es die Omas. Wir haben acht Paare, fünf einzelne Opas und in den restlichen 35 Fällen sind es Omas». Den relativ verbreiteten Begriff «Leihgroßeltern» verwendet sie allerdings nicht. «Leihen heißt: ich muss etwas zurückgeben», erläutert Ueberreiter-Michovius. Und genau das möchte sie nicht: ihr sind langfristige Beziehungen wichtig. Deshalb findet sie das Wort Ersatzgroßeltern treffender.

Doch nicht immer läuft alles reibungslos: «In einem Fall hatte die Oma pausenlos Geschenke für die Zwillinge mitgebracht. Immer wieder sagte die Mutter Nein, aber die Großmutter konnte das Schenken nicht lassen», erzählt Ueberreiter-Michovius. An den Differenzen sei diese Beziehung dann schlicht gescheitert. In die Erziehung ihrer beiden Enkel mischen sich Konrad und Brigitte Steils ganz bewusst nicht ein. «Wir als Großeltern müssen uns auch zurückhalten können», meint Steils.

Und auch nicht jedem kann die Großelternkindvermittlung helfen. «Es gibt Kinder, die warten sehr lange. Das mag am Alter liegen oder an der Entfernung zu den potenziellen Großeltern», sagt Ulla Ueberreiter-Michovius. Aber nicht nur in Köln werden Großeltern vermittelt, in vielen deutschen Städten gibt es einen ähnlichen Service. So vermittelt Treffpunkt Senior in Stuttgart bereits seit 18 Jahren Ersatzomas und -opas. In Frankfurt am Main bietet der Sozialdienst katholischer Frauen seit vergangenem Jahr eine Großelternvermittlung an. Rund 100 ähnliche Projekte gibt es in Deutschland, wie der Verein Aktivpatenschaften schätzt. (Eva Wichmann, AP)