Umstrittenes Verfahren in Spanien:
Baby-Selektion soll Bruder retten
15.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Doch nun schöpfen der Lkw-Fahrer und seine Frau Soledad Hoffnung. Am Montag wurde ihr zweiter Sohn, Javier, geboren. Er ist das erste «Designerbaby» Spaniens und soll seinen älteren Bruder heilen. Nach einer künstlichen Befruchtung hatten die Ärzte des Krankenhauses Virgen del Rocío in Sevilla mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik denjenigen Embryo ausgewählt, der den Gendefekt nicht aufweist und genetisch am besten zu Andrés Jr. passt.
«Es gibt elf Millionen Rückenmarkspender in der Welt, aber keiner ist 100-prozentig mit Andrés kompatibel», erläuterte Blutspezialist Alvaro Urbano das Dilemma. Von dem Begriff «Designerbaby» wollen die Eltern indes nichts wissen. «Wir haben uns schon immer ein zweites Kind gewünscht.» Dass dieses der Lebensretter des älteren Sohnes werden kann, verdanken sie dem vor zwei Jahren verabschiedeten Reproduktionsgesetz.
Die Kritik nach der Geburt Javiers ließ nicht lange auf sich warten. Die Katholische Kirche verwies auf eine Erklärung der Bischofskonferenz aus dem Jahr 2006. «Es darf kein Mensch getötet werden, um einen anderen zu retten», heißt es darin in Bezug auf die Embryonen, die bei der Auswahl ausscheiden. Andere Kritiker sprachen von einem «lebenden Ersatzteillager».
Zwei Jahre mussten die Eltern auf die Genehmigung warten. Diese obliegt einer Expertenkommission, die bislang über 31 weitere Anträge zu entscheiden hatte: sechs wurden abgelehnt, acht genehmigt und in 17 weiteren Fällen wurden zusätzliche Informationen angefordert. «Das Verfahren ist ein großer wissenschaftlicher Fortschritt», sagte der Vorsitzende der Internationalen Bioethikgesellschaft, Marcelo Palacios.
Auch Kronprinz Felipe und Prinzessin Letizia setzen auf neue Medizin: Sie ließen nach der Geburt ihrer ersten Tochter Leonor Stammzellen aus dem Nabelschnurblut bei einer Spezialfirma in den USA lagern, um sie im Falle einer schweren Krankheit parat zu haben. (Jörg Vogelsänger, dpa)

