10. Okt 2008 11:20
Nicht nur auf Hunde oder Pferde, sondern auch auf Nobelpreisträger werden Wetten geschlossen: Weil Zocker vorab von dem Literaturnobelpreis an Le Clézio wussten, wird nach «undichten Stellen» unter den Eingeweihten gefahndet.
Einen Tag vor der Zuerkennung des Preises an Le Clézio am Donnerstag waren die Wetteinsätze beim britischen Buchmacher Ladbrokes plötzlich massiv in die Höhe und die Quote für Gewinne umgekehrt deutlich nach unten gegangen. Sie sank vom ursprünglich 15- fachen Einsatz auf das Doppelte wenige Stunden vor der Bekanntgabe in Stockholm. Ladbrokes selbst stoppte die Wettmöglichkeiten wegen der als verdächtig eingestuften Entwicklung. Ähnliche Entwicklungen hatte es 2003 bei der Vergabe an den aus Südafrika stammenden J.M. Coetzee und drei Jahre später an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk gegeben. Auch damals schossen die Wetteinsätze für den späteren Preisträger jeweils unmittelbar vor der Bekanntgabe explosionsartig in die Höhe. Mit sonst selten zu vernehmender Selbstironie meinte Engdahl zu der Möglichkeit, dass einer der Juroren in der 18-köpfigen Akademie selbst die undichte Stelle gewesen sein könnte: «Inkontinenz in unseren eigenen Reihen wäre ungewöhnlich.» (dpa)