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Pin-Klau nimmt zu: 

Spionierende Diebe am Bankautomaten

05. Okt 2008 11:32
Wer abhebt, muss aufpassen
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Ihre Kameras sind oft winzig. Die arglosen Bankkunden merken deshalb erst wesentlich später, dass ihre Geheimnummern beim Abheben von Betrügern ausgespäht wurde – wenn erhebliche Summen auf dem Konto fehlen.

Sie lieben Einkaufsstraßen, denn Laufkundschaft verheißt leichte Beute. Mit Mini-Kameras, manipulierten Kartenlesern und Tastaturen gehen sie auf die Pirsch. Die Opfer: Arglose Bankkunden beim Gang zum Geldautomaten. Internationale Täter spähen mit raffinierter Technik bundesweit immer häufiger EC-Kartendaten aus und plündern dann die Konten. 1319 Fälle zählte das Bundeskriminalamt allein im ersten Halbjahr bundesweit – fast so viele wie im gesamten Jahr 2007, als ebenfalls einen starken Anstieg gegeben hatte. Skimming (Abschöpfen) nennen Ermittler die Spähangriffe und räumen ein, dass den Tätern nur schwer beizukommen ist.

Landeskriminalamt Berlin: Kriminaloberrat Michael Schultz zeigt, warum die Spähangriffe schwer zu bemerken sind: Kameras kleiner als ein Stecknadelkopf filmen unentdeckt aus Leuchtenleisten oder von Rauchmeldern aus Kunden bei der Pin-Eingabe. Täuschend echte Kopien von Kartenschlitzen an Bankeingängen werden einfach über das Original gestülpt und lesen die Daten von den Magnetstreifen der EC-Karten. «Man kann sich kaum davor schützen», sagt Dezernatsleiter Schultz. «Die Täter werden immer besser und immer raffinierter.»

Grundsätzlich sei Abheben am Automaten sicher, heißt es bei der Gesellschaft Euro Kartensysteme in Frankfurt/Main, einem Unternehmen der deutschen Kreditwirtschaft. Doch die Täter schlagen immer öfter zu – überall in Deutschland: Erst kürzlich klebten in Limburg (Hessen) Unbekannte eine Minikamera an einen Geldautomaten – die Polizei nahm zwei Rumänen fest und fand in ihrem Mietwagen weitere Spähgeräte. Kunden im Raum Hannover wurden von Skimmern im August und September insgesamt um 30.000 Euro erleichtert.

Einsatz im Ausland

Ob in Heilbronn oder Delmenhorst, Paderborn oder Eisenach - die Masche ist immer die gleiche, wie es beim BKA heißt. Die Täter reisen kurzfristig nach Deutschland, schöpfen an mehreren Orten Kartendaten und Pin ab und verschwinden wieder. Dann prägen sie die Daten auf handelsübliche Kartenrohlinge und treten mit der Kopie den einträglichen Gang zum Automaten an – allerdings im Ausland, weil Automaten in Deutschland Kopien erkennen und abweisen.

Der Kontoinhaber bemerkt das in der Regel erst beim Blick auf den Auszug – das macht es auch der Polizei schwer, denn die Täter sind dann längst außer Landes. «Es spricht viel dafür, dass das Gros der Täter aus Bulgarien und Rumänien kommt», sagt der Berliner Ermittler Schultz. Die Hauptstadt zählt mit mehr als 200 Fällen und mehr als 1000 Opfern im abgelaufenen Jahr zu den beliebtesten Jagdgründen der Skimmer. Sich vollends zu schützen, sei unmöglich, meint Schultz. Selbst Kartenleser in Supermärkten und Tankstellen seien inzwischen betroffen.

Spezielle Software könnte helfen

Bei Geldautomaten verspreche spezielle Software Abhilfe, doch die meisten Banken scheuten die hohen Kosten für solche Programme – ein Vorwurf, den der Bankenverband zurückweist. «Wir sind nicht untätig, die Sicherheitsmerkmale werden ständig überarbeitet», sagt Sprecherin Kerstin Altendorf. Letztlich hinke man den Tätern aber hinterher, weil diese sich immer neuester Technik bedienten.

Wer von Skimmern abgeschöpft wird, bleibt in der Regel nicht auf dem Schaden sitzen. Banken erstatten ihren Kunden in der Regel das verlorene Geld, solange klar ist, dass der Kontoinhaber das Geld nicht selbst im Ausland abgehoben hat, wie Altendorf sagt. Bis die Formalitäten geklärt sind, kann es aber mitunter Wochen dauern – was Kontoinhabern sehr unerfreuliche Mahnungen eintragen kann. (Burkhard Fraune, dpa)

 
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