Getötete Familie in Gifhorn:
Gartennachbar gerät in Verdacht
24. Sep 2008 19:07
 |  Mit diesem Fahndungsbild sucht die Polizei nach dem Verdächtigen | Foto: dpa |
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Die Polizei sucht nach einem Mann, der sich einen Kleinkrieg mit den drei getöteten Gifhornern geliefert haben soll. Die Behörden vermuten, dass der Nachbarstreit eskaliert ist. Andere Bewohner der Laubenkolonie sind fassungslos.
Jahrelang haben sich zwei Schrebergärtner aus dem niedersächsischen Gifhorn bekriegt: Reifen wurden zerstochen, eine Laube in Brand gesetzt. Die Polizei ermittelte wegen Beleidigung und Körperverletzung. Am Montagabend könnte der Streit ein grausames Ende gefunden haben.
«Ein 65-Jähriger steht unter dem dringenden Tatverdacht, seinen 64 Jahre alten Laubennachbarn, dessen 59 Jahre alte Ehefrau und den 33 Jahre alten Sohn des Paares getötet zu haben», sagt der Leiter der Mordkommission, Jürgen Schmidt. Die Polizei sucht bis zum Mittwochnachmittag erfolglos mit einem Hubschrauber und Spürhunden nach dem «dringend tatverdächtigen» Rentner. Hundertschaften durchkämmen die Umgebung. Die blutüberströmten Leichen der Familie hatte ein Kleingärtner am Dienstag an einem Trampelpfad zwischen zwei Kolonien entdeckt. Ein rotes Zelt spannt sich am Mittwoch über den Leichenfundort. Der Zugang zu den beiden Kolonien ist abgesperrt, akribisch suchen Kriminaltechniker auf dem vom Regen aufgeweichten Gelände nach Spuren. Fest steht, dass der Fundort nicht der Tatort ist. Der Täter hat nach ersten Erkenntnissen massiv mit einem Werkzeug auf Sohn und Eltern eingeschlagen - die Tatwaffe hat die Polizei noch nicht gefunden.
«Die Leute waren immer hilfsbereit»
Die Menschen in Gifhorn sind nach dem Dreifachmord in der Kleinstadt am Südrand der Lüneburger Heide fassungslos, wütend und ängstlich. Viele kannten die Familie, die Opfer des grausamen Verbrechens wurde. «Die Leute waren immer hilfsbereit und nett», sagt Nachbarin Brigitte Künstler.Der in dem einfachen Mehrfamilienhaus direkt nebenan wohnende André Lade erzählt, das Ehepaar habe jeden Abend seine graue Katze an der Leine ausgeführt. Den getöteten 33 Jahre alte Sohn kennt er als hilfsbereiten Menschen. «Er besuchte die Eltern täglich und hat immer im Schrebergarten geholfen.» Das Ehepaar hinterlässt noch zwei Söhne. Der älteste lebt in Wolfsburg, der jüngste studiert in Lübeck.
Polizei ermittelte mehrfach gegen Verdächtigen
«Wie kann jemand nur drei Menschen erschlagen?», stellt Nachbar André Lade die Frage, auf die auch die Polizei noch keine Antwort hat. Der 65 Jahre alte Tatverdächtige ist körperlich kräftig gebaut und scheute auch nicht vor Auseinandersetzungen zurück. Mehrfach ermittelte die Polizei gegen ihn und auch das 64 Jahre alte Opfer wegen zerstochener Autoreifen, Brandstiftung in einer Laube, Körperverletzung oder Beleidigung. «In den meisten Fällen wurden die Verfahren allerdings eingestellt», erläutert Oberstaatsanwalt Bernd Seemann.Neben dem Entsetzen über das grausame Verbrechen sind die Nachbarn auch wütend. Bärbel Koch kann nicht verstehen, warum ein Zeuge, der am Montagabend Hilfeschreie in der Kleingartenkolonie hörte, nicht die Polizei alarmiert hat. «Er hätte doch wenigstens anrufen müssen», sagt sie. (André Jahnke, dpa)