Bagger rammt Blindgänger:
Weltkriegsbombe explodiert im Ruhrgebiet
19. Sep 2008 17:31
 |  Über 100 Rettungskräfte waren im Einsatz | Foto: AP |
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Bei der Explosion einer Fliegerbombe sind in Hattingen zahlreiche Personen verletzt worden. Der Blindgänger war von einem Bagger ausgegraben worden und detoniert. Bessere Kontrollen hätten das Unglück verhindern können.
Eingedrückte Fenster, deformierte Gebäudefassaden und 17 Verletzte: Eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist am Freitag in Hattingen im Ruhrgebiet explodiert. Die Fliegerbombe flog bei Baggerarbeiten in einem Industriegebiet in die Luft. Die Wucht der Explosion drückte noch Fenster in rund 50 Metern Entfernung ein, eine im Bau befindliche Halle verlor ganze Fassadenteile.
«Bei der Stärke der Detonation und der großen Streuwirkung der Bombe grenzt es fast an ein Wunder, dass es keine schweren oder tödlichen Verletzungen gegeben hat,» sagte Landrat Arnim Brux in Hattingen. Durch die Wucht der Explosion der 250 Kilogramm schweren Fliegerbombe wurden drei Gebäude, Arbeitsgeräte und Fahrzeuge bis in eine Entfernung von 300 Metern zum Detonationsort beschädigt. Teile der Bombe wurden noch in einer Entfernung von 1.500 Metern vom Explosionsort gefunden. Die Schadenshöhe dürfte sich nach Schätzung der Behörden auf einen größeren sechsstelligen Betrag belaufen.
Führerhaus schützte Baggerfahrer
«Die Beschäftigten in den angrenzenden Firmen hatten noch Glück. Sie kamen mit einem Knalltrauma davon», sagte ein Feuerwehrsprecher. Über 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rettungsdiensten und der Polizei waren im Einsatz.
Der Baggerführer, der mit Arbeiten neben einer Halle beschäftigt war, erlitt bei der Detonation Schnittverletzungen an der Hand. Sein Führerhaus wurde beschädigt, die Scheiben zersplitterten. Der Bagger hatte den Blindgänger in etwa einem halben Meter Tiefe durch das Rütteln mit einer Art Presslufthammer zur Explosion gebracht. «Trümmerteile sind bei der Explosion bis zu 500 Meter weit geflogen», sagte der Feuerwehrsprecher. Nur durch großes Glück sei nicht mehr passiert. Der Baggerführer sei in seinem Führerhaus gut geschützt gewesen und deshalb mit vergleichsweise leichten Verletzungen davongekommen.
Blindgänger: Hinterlassenschaft des KriegesAuch mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges werden noch Tausende von Bomben-Blindgängern in Deutschland vermutet. Nach Schätzungen von Experten sind etwa zehn Prozent aller abgeworfenen Bomben nicht explodiert. Vor allem in Großstädten, industriellen Ballungsräumen und entlang wichtiger Verkehrsadern können noch Sprengkörper im Erdreich lagern.Die Kampfmittelräumdienste der Bundesländer kommen Blindgängern durch die Auswertung von Luftbildern der Alliierten, durch neue Luftaufnahmen oder bei Bauarbeiten auf die Spur. Jährlich werden bis zu 5500 Bomben und mehr als 900 Tonnen sonstige Munition durch Sprengmeister unschädlich gemacht. Viele verbliebene Blindgänger werden nach Expertenansicht durch das Rosten ihrer Zündsysteme immer gefährlicher. Wiederholt kam es bereits in der Vergangenheit zu schweren Unfällen. Rund 50 Bomben sind seit Kriegsende selbst detoniert. (dpa) |
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Bei Routinekontrolle übersehen
Das Industriegebiet gehört zum Areal des ehemaligen Stahlwerks Henrichshütte, das 1987 geschlossen und zum Industriedenkmal ausgebaut wurde. Ein Teil der Fläche wurde für Unternehmensansiedlungen umgewidmet. Die 1854 gegründete Henrichshütte war eines der traditionsreichsten Eisenhüttenwerke des Ruhrgebiets. Bis zu 10.000 Arbeiter produzierten hier einst Eisen und Stahl.Auf dem Gelände sind in der Vergangenheit immer wieder Grabungen vorgenommen worden. Es sei nicht auszuschließen, dass die Bombe durch Auf- und Umschüttungen in den letzten Jahren verschoben worden sei, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Bislang sei sie von Arbeitern aber nicht bemerkt worden. Auch der Kampfmittelräumdienst habe die Bombe bei einer Routinekontrolle nicht gesehen. «Es kann keine hundertprozentige Sicherheit geben, dass wir jeden Blindgänger finden», so der Feuerwehrsprecher. (nz/dpa/AP)