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Progressive Wiesn: 

Das Ökotoberfest

19. Sep 2008 13:38
Auch beim Riesenrad kann Strom eingespart werden
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Jeden Tag verbraucht der traditionelle Münchner Massenbierkonsum so viel Strom wie eine Kleinstadt. Die gestiegenen Energiekosten zwingen zum Umdenken – und zu solarbetriebenen Autoscootern.

Wenn am kommenden Samstag das Oktoberfest in München beginnt, wird neben Bier auch Strom in Massen fließen. Mehr als 227 Schaustellergeschäfte, 14 Bierzelte und hunderte Stände werden an den 16 Wiesn-Tagen insgesamt rund 2,4 Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchen, wie die Stadtwerke München vorrechnen. Das entspreche rund 13 Prozent des Tagesverbrauchs der bayerischen Landeshauptstadt.

Doch weil Strom teuer geworden und das Klima bedroht ist, suchen Wirte und Schausteller nach Möglichkeiten, den Energieverbrauch zu senken. Der Strom für den «Freefall-Tower» etwa koste täglich 1000 Euro, berichtet Betreiberin Michaela Goetzke. Zwei Kompressoren hieven die Fahrgäste in fast 50 Meter Höhe, damit sie dann das Gefühl des freien Falls genießen können.

«Für den normalen Betrieb müssen die beiden Kompressoren ständig laufen, egal, ob was los ist oder nicht», erklärt Goetzke. Um Kosten zu sparen, schalten die Schausteller in ruhigeren Stunden einen Kompressor ab. So gehe es zwar langsamer, dafür ließen sich zwischen 300 und 400 Euro pro Tag sparen. Die Fahrgäste dagegen will die Schaustellerfamilie nicht stärker zur Kasse bitten. Es bleibe beim Preis von 4,50 Euro je Fahrt.

Schausteller und Wirte kaufen teuren Öko-Strom

Wenn die Dunkelheit einsetzt, erstrahlt das Oktoberfest im Lichterglanz. Dann kommt für Schaustellerin Goetzke ein weiterer Kostenfaktor hinzu: 30.000 Lampen sollen ihr Fahrgeschäft ins Licht rücken. Mit der Umrüstung auf sparsame Leuchtdioden, sogenannte LEDs, sollen die Stromkosten gedrückt werden. Allerdings seien die mit drei Euro je Stück viel teurer als eine herkömmliche Glühbirne für je 60 Cent, rechnet Goetzke vor.

So rentiere sich die Umrüstung erst nach zwei bis drei Jahren. Darum wird nach und nach umgerüstet. Von 30.000 Lampen sind bisher 3000 gegen LEDs ausgetauscht worden. Bis zu zwei Prozent teurer ist der Strom auf der Wiesn geworden. Das sind bei individuellen Tarifen für die Wirte und Schausteller nach Angaben der Stadtwerke München bis zu 0,28 Cent pro Kilowattstunde. Die Kosten können also nicht der einzige Antrieb für die Energie-Sparmaßnahmen sein, denn die Hälfte aller Wirte und Schausteller nutzt einen Öko-Tarif mit Strom aus Wasserkraft, obwohl die Kilowattstunde grüne Energie 1,53 Cent extra koste.

Unter ihnen sind fünf der großen Festzelte und das Riesenrad. Heiner Distel ging vergangenes Jahr weiter und betrieb seine Autoscooter mit einer Photovoltaikanlage. Mit über 50.000 Euro Mietkosten für die Anlage war das Geschäft aber nicht rentabel. Dieses Jahr kommt der Strom für das Fahrgeschäft wieder aus der Leitung, auch weil der Platz für die Solar-Anlage nicht ausreicht. «Es war eine Sache, um ein Zeichen zu setzen», sagt Distel.

Wirten sind beim Energiesparen Grenzen gesetzt

Bei vielen Wirten gibt es schon länger große und kleine Öko-Maßnahmen: Energiesparlampen seien in seinem Zelt bereits seit zwei Jahren installiert, sagt Wirte-Sprecher Toni Roiderer. Daneben werde ein Teil des Wassers aus der Küche für die Toiletten verwendet.

Mit Kaltspülmaschinen für Bierkrüge sparten manche Wirte sich den Strom für das Aufheizen des Wassers, erzählt Jakob Kronberger vom Energieberater IMET, der den Wiesn-Wirten bei Umweltfragen hilft. Gerade bei den Gastronomen seien aber die Sparmöglichkeiten begrenzt, «Man kann dem Koch ja nicht erzählen, das Gerät auszuschalten, wenn er fünf Minuten nichts brät», sagt er. Und große Investitionen, wie etwa Solaranlagen, rechneten sich für ein kurzes Fest kaum.

Doch «Öko» ist beliebt, und so bemühen sich die Wirte um entsprechende Siegel. Sie satteln auf ökologische Baustoffe um, kaufen Bio-Produkte aus der Region und schmücken ihre Zelte mit umweltfreundlichen Girlanden. Auch die Stadt München ist auf den Umwelttrend aufgestiegen. Die 177 Straßenleuchten in den Gassen der Wiesn wurden mit Energiesparlampen ausgerüstet, die jetzt nur noch halb so viel Strom verbrauchen. (Bastian Reichert, AP)

 
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