Progressive Wiesn:
Das Ökotoberfest
19.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Für den normalen Betrieb müssen die beiden Kompressoren ständig laufen, egal, ob was los ist oder nicht», erklärt Goetzke. Um Kosten zu sparen, schalten die Schausteller in ruhigeren Stunden einen Kompressor ab. So gehe es zwar langsamer, dafür ließen sich zwischen 300 und 400 Euro pro Tag sparen. Die Fahrgäste dagegen will die Schaustellerfamilie nicht stärker zur Kasse bitten. Es bleibe beim Preis von 4,50 Euro je Fahrt.
So rentiere sich die Umrüstung erst nach zwei bis drei Jahren. Darum wird nach und nach umgerüstet. Von 30.000 Lampen sind bisher 3000 gegen LEDs ausgetauscht worden. Bis zu zwei Prozent teurer ist der Strom auf der Wiesn geworden. Das sind bei individuellen Tarifen für die Wirte und Schausteller nach Angaben der Stadtwerke München bis zu 0,28 Cent pro Kilowattstunde. Die Kosten können also nicht der einzige Antrieb für die Energie-Sparmaßnahmen sein, denn die Hälfte aller Wirte und Schausteller nutzt einen Öko-Tarif mit Strom aus Wasserkraft, obwohl die Kilowattstunde grüne Energie 1,53 Cent extra koste.
Unter ihnen sind fünf der großen Festzelte und das Riesenrad. Heiner Distel ging vergangenes Jahr weiter und betrieb seine Autoscooter mit einer Photovoltaikanlage. Mit über 50.000 Euro Mietkosten für die Anlage war das Geschäft aber nicht rentabel. Dieses Jahr kommt der Strom für das Fahrgeschäft wieder aus der Leitung, auch weil der Platz für die Solar-Anlage nicht ausreicht. «Es war eine Sache, um ein Zeichen zu setzen», sagt Distel.
Mit Kaltspülmaschinen für Bierkrüge sparten manche Wirte sich den Strom für das Aufheizen des Wassers, erzählt Jakob Kronberger vom Energieberater IMET, der den Wiesn-Wirten bei Umweltfragen hilft. Gerade bei den Gastronomen seien aber die Sparmöglichkeiten begrenzt, «Man kann dem Koch ja nicht erzählen, das Gerät auszuschalten, wenn er fünf Minuten nichts brät», sagt er. Und große Investitionen, wie etwa Solaranlagen, rechneten sich für ein kurzes Fest kaum.
Doch «Öko» ist beliebt, und so bemühen sich die Wirte um entsprechende Siegel. Sie satteln auf ökologische Baustoffe um, kaufen Bio-Produkte aus der Region und schmücken ihre Zelte mit umweltfreundlichen Girlanden. Auch die Stadt München ist auf den Umwelttrend aufgestiegen. Die 177 Straßenleuchten in den Gassen der Wiesn wurden mit Energiesparlampen ausgerüstet, die jetzt nur noch halb so viel Strom verbrauchen. (Bastian Reichert, AP)

