11.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
"Luxus für alle": Demonstranten vor der O2 Arena
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit Tanz, Musik und Feuerwerk sollte die neue Hauptstadt-Attraktion eingeweiht werden. Doch Karin Schmidl und Marin Majica erlebten vor der O2-World Protest-Chaos statt feierlicher Zeremonie.
Eben noch hatte der Moderator Versöhnliches gesagt. «Wir freuen uns, dass die O2-World für alle da ist», hatte der Mann von der Spreeradio-Bühne ins pfeifende Publikum vor der Arena gerufen, doch dann ging alles recht schnell.
Demonstranten mit Transparenten enterten die Bühne, Polizisten stürmten hinterher und drängten sie zurück. Ein Lautsprecherturm fiel um, die Radio-Musik vor der Arena verstummte. Die Szene war nur eine von vielen Störungen an diesem Abend, die die Eröffnung der neuen O2-World gehörig durcheinander brachte.
«Spreepiraten» warfen KonfettiTrotz hunderter schwarz gekleideter Sicherheitsleute, die rund um die Halle Stellung bezogen hatten, konnten einige Demonstranten in den Premiumbereich eindringen, wo die VIP-Gäste ihre Eintrittskarten in Empfang nahmen.
Drei der «Spreepiraten» warfen wortlos Hände voller bunter Konfettischnipsel auf den blauen Teppich. Einer entblößte vor den johlenden Fotografen sein Hinterteil, dann verschwand alles wie ein Spuk.
Im Innenraum entschuldigte ein sichtlich verärgerter Detlef Kornett, der Europachef der Anschutz Entertainment Group (AEG), die Verspätung: Etwa 300 Gäste mussten über andere Wege kommen, da die umliegenden Straßen von Demonstranten blockiert waren.
Wowereit lobt die HalleKurz nach 21 Uhr, eine knappe Stunde später als geplant, ging es dann endlich los. Kornett sagte: «Auch wenn draußen eine Gruppe gewaltbereiter Demonstranten versucht, alles in ein anderes Licht zu bringen: Diese Halle, die in 728 Tagen entstand, ist für Berlin gebaut.»
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) lobte die privat errichtete Arena: Bislang, sagte er, seien viele Großveranstaltungen an Berlin vorbeigegangen. «Deshalb sind wir dankbar, dass wir diese Halle haben.» Sie sei eine weitere Schlüsselinvestition für die Stadt. «Diejenigen, die meinen, Biotope verteidigen zu müssen, die nicht offen zugänglich sind, sollten sich fragen, in welchem Interesse sie handeln.»
Phil Anschutz blieb abseitsVor der Zeremonie, mit der etwa 500 Künstler die Entstehung der Arena in Licht, Tanz und Musik nachempfanden, hatten sich die geladenen Gäste bei Lachsschnittchen und Sushi die Zeit vertrieben.
Nur der, den alle am meisten erwarteten, mischte sich nicht unter die Besucher: Phil Anschutz, der Chef der Anschutz Entertainment Group, die 165 Millionen Euro in die Halle investierte, blieb abseits vom Trubel im Premium Club: Im anthrazitfarbenen Anzug mit weißem Einstecktuch saß er mit einigen Männern vor einem leeren Glas Bier. Fotografieren war nicht erlaubt, mehrere Sicherheitsleute achteten darauf.
Jan Josef Liefers ausgepfiffenBereits am Nachmittag waren rund 1000 Demonstranten vom Kottbusser Tor nach Friedrichshain gezogen. Begleitet wurden sie von einem massiven Polizeiaufgebot. Einige hundert Meter vor der Halle blockierten die Beamten den Weg zur Arena. Zahlreiche Demonstranten suchten sich deshalb andere Wege zur O2-World.
Vor der Halle empfingen Demonstranten Gäste des Abends wie Schauspieler Jan Josef Liefers und seine Frau Anna Loos mit Pfiffen und Gejohle. An den Absperrungen vor der Halle bildeten Polizisten eine Kette, auch etliche Polizeihunde waren im Einsatz. Immer wieder kam es zu kleineren Rangeleien zwischen Protestlern, Polizei und Sicherheitsleuten. Rufe wie «Abreißen! Abreißen!» hallten von der Fassade der Arena wider.
Besucher, die auf ein Fest vor der Halle gehofft hatten, waren enttäuscht. «Wir hatten nicht gedacht, dass es hier so eine Randale geben würde», sagte eine 69-jährige Kreuzbergerin. Beim Feuerwerk waren dann viele, auch Demonstranten und Imbissbuden-Mitarbeiter, längst nach Hause gegangen.
Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung».