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Ökologische Diskothek: 

Tanzen wie ein Kraftwerk

05. Sep 2008 14:55
In Rotterdam befindet sich die erste Öko-Disco
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Bewegung, die mehr als Spaß bringt. In einem Amsterdamer Club verpufft die Energie bei ekstatischem Engagement auf dem Dancefloor nicht einfach. Sie wird in Strom verwandelt. Doch das ist nicht alles.

Diesen Werbeslogan kann man wörtlich nehmen: «We want your energy» heißt es in der ersten Öko-Disco der Welt. Wer in dem Beton- und Glasbau an der West-Kruiskade im einst als Drogenquartier berüchtigten Chinesenviertel von Rotterdam tanzt, erzeugt Strom und hilft damit Mutter Natur. In der Nacht zum Freitag wurde der Club von energiegeladenen Tänzern eröffnet. «Man fühlt sich dabei wie ein Kraftwerk», schwärmte eine Besucherin aus Deutschland.

«Der erste nachhaltige Dance Club der Welt setzt einen Trend», freut sich der Architekt Herman Kossmann. «Er beweist, dass Umweltschutz und Spaß bestens zusammenpassen.» Früher war der Laden als «Nighttown» für aufregende Shows von Iggy Pop, Nirvana oder Amy Winehouse berühmt. Stars werden auch künftig kommen. Doch jetzt heißt die mit Millionengeldern niederländischer Privatinvestoren völlig neu gestaltete Disco «Club Watt» - und wer hier auftritt, legt damit auch ein grünes Bekenntnis ab.

Tänzer als «menschliche Energieerzeuger»

Das Kernstück der Öko-Disco ist die flexible elektromechanische Tanzfläche. Der Boden unter den Füßen gibt um einige Millimeter nach. Die durch Schwingungen erzeugte Bewegungsenergie wird nach dem Dynamo-Prinzip in Elektrizität umgewandelt und in Akkus gespeichert. Fast ein Drittel des Stroms, den die DJ-Bühne verbraucht, sollen die Tänzer als «menschliche Energieerzeuger» liefern.

Leuchtdioden im Boden sowie Lampen an der Bühne zeigen an, wie stark die Stromerzeugung jeweils ist. Wer sich austobt, sorgt für eine individuelle Lichtshow. «Leute, tanzt auf dass die Birnen erglühen!», feuert DJ Ted Langenbach die Gäste an. Der 48-jährige Party-Guru der Rotterdamer Szene gehört zu den Initiatoren des «Club Watt». «Dieses Projekt hat mich gefesselt. Es gibt eben doch noch etwas Neues auf dem alten Tanzboden.»

Das ist erst der Anfang

Allerdings ist die Eigenstromerzeugung gemessen am Gesamtbedarf des Clubs, der 2000 Gäste aufnehmen kann, mit bis zu zehn Watt pro Tanzendem noch gering. Doch dabei soll es nicht bleiben. «Dies ist Club Watt in der Version 1.0», sagt Martin Jordans vom Rotterdamer Architektenbüro Döll. «Wir arbeiten bereits an verbesserten Konzepten mit weit höherer Ausbeute.»

Dafür werden auch die künftigen Erfahrungen des Italieners Lucien Gambarota berücksichtigt, der als einer der «Väter» der Nutzung «menschlicher Energie» gilt. Gambarota richtete in Hongkong den «California Fitness»-Club ein, wo Sporttreibende immerhin so viel Strom erzeugen, dass damit die Beleuchtung, die Musik und Elektronik der Trainingsgeräte betrieben werden können.

Wegwerf-Produkte sind verpönt

Im «Club Watt» geht es nicht allein ums Stromsparen. Im «Club Watt» ist alles verpönt, was Abfall erzeugt oder unnötig Ressourcen verbraucht. So werden die Toiletten mit Regenwasser gespült. Die eingesparte Wassermenge soll dem Jahresbedarf von 13 000 Menschen entsprechen. Und an den beiden Zero-Waste-Bars (etwa: Null-Müll-Theken) werden Getränke ausschließlich in wieder verwertbare Hartplastikgläser eingeschenkt. Wegwerf-Produkte sind verpönt, darunter auch Flyer.

«Den meisten Leuten ist noch gar nicht bewusst, dass normale Disco mit allem drum dran enorme Stromfresser und Umweltverschmutzer sind», sagt der Miterfinder des Club-Watt-Konzepts, Michel Smit. Mit seiner Firma SDC - die Abkürzung steht für Sustainable (nachhaltiger) Dance Club - hofft er auf Aufträge aus aller Welt. Wohl nicht zu Unrecht. Vor Anfragen - darunter auch aus Berlin und anderen deutschen Städten - können sich die Watt-Club-Macher inzwischen kaum retten. (Thomas Burmeister, dpa)

 
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