Studien:
Sex im Alter findet viele Formen
05.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der Wiener Altersforscher Leopold Rosenmayr sichtete dazu diverse Studien: Danach sind in Deutschland noch 60 bis 90 Prozent der Männer zwischen 60 und 69 sexuell aktiv, ein Jahrzehnt später sind es zwischen 48 und 79 Prozent. Bei den Frauen zwischen 60 und 70 haben 45 bis 55 Prozent ein aktives Liebesleben, bei den über 70- Jährigen weniger als zehn Prozent.
Gesundheit und körperliches Wohlbefinden spielen in der Tat für das Liebesleben und sexuelle Zufriedenheit eine große Rolle, bestätigt auch die Soziologin Tina Denninger (Uni Jena). Erektionsprobleme bei Männern, aber auch andere schwere Erkrankungen wie Prostata- oder Brustkrebs, Diabetes, Harninkontinenz oder ein erlittener Herzinfarkt hemmten viele Ältere, sexuell aktiv zu werden. Nicht alle trauen sich, hier ärztlichen Rat einzuholen und sich durch Medikamente helfen zu lassen. Zudem gelte - und das nicht nur bei Senioren: Wer lange zusammen ist, hat weniger Sex. Hier trete allerdings oft eine neue Intimität an die Stelle. «Vor allem im Alter bedeutet Sexualität nicht nur Geschlechtsverkehr und Orgasmus, sondern auch alltägliche Zärtlichkeiten und Berührungen», resümiert Denninger.
In diesem weiter gefassten Begriff bleibt das Interesse am Sex bei Männern wie Frauen bis ins hohe Alter bestehen. Allerdings wird er seltener ausgelebt und oft schmerzhaft vermisst - bei Frauen liegt das vor allem daran, dass sie ihren Partner durch Tod verlieren und dann alleine bleiben. «Und allein stehende ältere Männer haben oft einen Hang zu jüngeren Frauen», ergänzt von Sydow. Noch schwieriger wird es für Ältere, wenn sie in Altenheimen leben. Dort gibt es zwar neue Menschen kennenzulernen, aber oft wenig Rückzugsmöglichkeiten. Doch die Sensibilität für das Thema steigt und findet etwa in abschließbaren Doppelzimmern Ausdruck.
«Verliebtheit ist im Menschen angelegt und kennt kein Alter», sagt von Sydow. Auch wenn also ein gleichaltriges, frisch verliebtes und sexuell überschwängliches Seniorenpaar wie das in Dresens Film heute noch eher die Ausnahme sein dürfte, ist ein Wandel spürbar. Das einstige Tabu-Thema wird in Broschüren vom Bund oder pro familia an die Öffentlichkeit gebracht, und im Internet gibt es Kontaktbörsen speziell für Senioren. Am erfüllensten wird Sexualität im Alter nach Ansicht der Fachleute dann, wenn der ständige Vergleich mit Jüngeren aufhört - und hier und da eine Portion Humor dazu kommt. Schließlich schläft im Film «Pret-a-porter» auch Marcello Mastroianni ein, als Sophia Loren vor ihm einen Striptease hinlegt. (Andrea Barthélémy, dpa)

