31.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Lebensmittelhändler profitieren besonders vom Ramadan
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Für die weltweit etwa eine Milliarde Muslime beginnt Montag der alljährliche Ausnahmezustand: Der Ramadan gehört zu ihren religiösen Pflichten und wird weitgehend befolgt. Doch Lebensmittelhändler machen in der Fastenzeit besonders hohe Umsätze.
Türkische und arabische Lebensmittelhändler in Deutschland stapeln derzeit bergeweise Datteln in ihren Geschäften. Mit der süßen Speise beenden viele Muslime allabendlich das Fasten im islamischen Monat Ramadan, der am 1. September beginnt. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Besinnung, aber auch eine Shoppingzeit. Um 20 Prozent legt der Konsum von schnell verkäuflichen Waren in der Türkei im Vergleich zu anderen Monaten zu, wie das Istanbuler Marktforschungsinstitut Ipsos KMG ermittelte. Vor allem die Lebensmittelbranche profitiert davon.
Genaue Zahlen über den Konsum von Deutschtürken während des Ramadan gibt es nach Angaben des Essener Zentrums für Türkeistudien nicht. Vor allem der Verkauf von Speisen und Getränken dürfte laut Yunus Ulusoy, Mitarbeiter des Zentrums, aber auch in Deutschland deutlich zulegen. «Natürlich werden während der gesamten Ramadanzeit mehr Lebensmittel gekauft, weil man festlich kocht und Gäste einlädt», sagt Ulusoy.
Das sieht auch der türkische Metzger Gediz in Köln so. «Die Geschäfte gehen besser, weil die Leute sich gegenseitig einladen», beschreibt er seinen Umsatz. Seit mehr als 30 Jahren steht er hinter der Ladentheke. Neben den zahllosen Einladungen zu gemeinsamen Abendessen mit Freunden und Familie kurbelt ausgerechnet das Fasten den Absatz der Lebensmittel an. Wenn fromme Muslime einen Monat lang von Sonnenaufgang bis -untergang nichts zu sich nehmen dürfen, essen sie abends besonders gut und viel, erklärt Gediz: «Da wird ein bisschen mehr reingehauen.»
Der muslimische Konditor gegenüber der Metzgerei stellt sich darauf ein, dass seine Ladentheken jeden Abend leer gekauft sein werden. Süßes Gebäck sei in dieser Zeit besonders gefragt, sagt Konditor Salih. Ein Restaurant um die Ecke wirbt dafür, sich wegen des Andrangs beim Fastenbrechen schon mal einen Tisch zu reservieren. Im türkischen Supermarkt nebenan liegen die Datteln aus Tunesien und Saudi-Arabien schon bereit. Mit Sonderbeilagen wie «Köstlichkeiten des Ramadan» liefern türkische Tageszeitungen den gestressten Hausfrauen in Istanbul wie in Köln Tipps für geschmortes Lamm oder Apfel-Haselnuss-Gebäck.
Der absehbare Absatzschub lädt in der Türkei offenbar Spekulanten ein. Sie wollen die Preise für die gängigsten Lebensmittel in die Höhe treiben, indem sie Waren horten und so das Angebot verknappen. Dagegen kündigte die Regierung in Ankara verstärkte Kontrollen an. Allerdings verzeichnen nicht alle Lebensmittel in dem heiligen Monat ein Absatzplus: Alkohol der für religiöse Muslime tabu ist - geht in der Türkei im neunten Monat des islamischen Kalenders seltener über den Ladentisch. Der Ramadan ist auch ein Monat, in dem die Religion eine größere Rolle spielt als sonst.
Auch jenseits der Supermärkte locken Ramadan-Sonderangebote. Mehrere Fluggesellschaften und Reiseveranstalter wollen während des Monates Sondertarife einzuführen. Der Telefonanbieter Ay-Yildiz, eine Tochterfirma von E-Plus, die sich vor allem an türkischsprachige Kunden richtet, hatte angekündigt, einige Tarife für Gespräche zwischen Deutschland und der Türkei im September zu senken.
Zum mehrtägigen Fest am Ende des Ramadan ist es üblich, Kinder zu beschenken. Die Kleinen erhalten vor allem Süßigkeiten, deshalb heißt das Fest auf Türkisch auch Zuckerfest. Daneben bekommen viele Jungen und Mädchen aber auch andere Geschenke wie Spielzeug und Kleidung. «Das ist nicht in dem Ausmaß wie Weihnachten, aber mehr als an den sonstigen Tagen im Jahr», sagt Ulusoy. (epd)