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Posttraumatische Belastungsstörungen: 

Wenn das Leiden nach dem Krieg nicht aufhört

28. Aug 2008 16:16, ergänzt 17:40
Bekenntnisse fallen ihnen schwer
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Der Tod eines deutschen Soldaten in Afghanistan zeigt: Der Tod im Einsatz ist Realität. Doch nicht nur Tod und Verwundung drohen, sondern nach der Rückkehr gibt es oft schwere Spätfolgen, berichtet Ben Bünte.

David ist 25 Jahre alt als er von seinem Auslandseinsatz in Afghanistan zurückkehrt. Der Bundeswehrsoldat wird von seiner Familie im Schwarzwald als Held empfangen. Er selbst fühlt sich nicht so. Er kann nachts nicht mehr schlafen, wird zum Bettnässer. Ständig fühlt er sich bedroht, gegenüber seiner Familie wird er aggressiv. Er ist traumatisiert.

David ist nur eine Figur in einer fiktiven Geschichte. Er wird gespielt von Hanno Koffler in dem Film «Nacht vor Augen», der am Dienstag mit einem First-Steps-Award ausgezeichnet wurde. Für viele Bundeswehrsoldaten sind solche Szenarien Realität. Im letzten Bericht des Wehrbeauftragten ist von rund 700 Soldatinnen und Soldaten die Rede, die nach Auslandseinsätzen mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) behandelt wurden. Die Dunkelziffer liegt laut Bericht etwa viermal höher. Viele Soldaten sind zu gehemmt, um sich helfen zu lassen.

Ein Problem, dass auch der Hauptfeldwebel Frank Eggen erkannt hat. Im Internet hat er die Privatinitiative «Angriff auf die Seele» gestartet, die informieren und betroffenen Soldaten helfen soll. «Es fällt dem Soldaten leichter, aktiv zu werden, wenn er sich über den Computer von zuhause aus informieren kann», erklärt der 36-Jährige, der bei der Katholischen Militärseelsorge tätig ist. Vorher habe es keine zentrale Anlaufstelle gegeben, also habe er die Informationen auf der Internetseite gesammelt.

«Auch bei der Bundeswehr gilt die ärztliche Schweigepflicht»

Unterstützt wird Eggen von Dr. Peter Zimmermann, Psychiater und Oberfeldarzt vom Bundeswehrkrankenhaus in Berlin. Über die Seite können anonym Anfragen an ihn gestellt werden. Das Internet kann zwar keine Therapie ersetzen, aber über den Erstkontakt zu einem Fachmann können die Hemmschwellen überwunden werden. Anzeichen für eine mögliche Erkrankung an PTBS können so erkannt und Ratschläge zum weiteren Handeln erteilt werden. Seit Ende Mai ist die Initiative online, inzwischen kommen jede Woche mehrere ernstzunehmende Anfragen.

Viele Soldaten schrecken davor zurück, bei psychischen Problemen zum Bundeswehrarzt zu gehen. «Auch weil sie Nachteile bei ihrer weiteren beruflichen Laufbahn befürchten», erklärt Eggen, der helfen will diese Hemmnisse abzubauen. Der direkte Draht zum Arzt sei sehr wichtig. «Und auch bei der Bundeswehr gilt die ärztliche Schweigepflicht. Die Soldaten können davon ausgehen, dass ihre Fälle vertraulich behandelt werden», sagt Hauptfeldwebel Eggen.

Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen

Posttraumatische Belastungsstörungen sind psychische Reaktionen auf besonders belastende Ereignisse. Bei einem Anschlag in Afghanistan sind diese Woche ein deutscher Soldat getötet und drei verletzt worden. Frank Eggen erklärt, dass das jedoch nicht die einzigen Folgen sind: «Da sind nicht nur die direkten Opfer des Anschlags. In dem Konvoi waren auch Leute dabei, die das gesehen und miterlebt haben. Solche Eindrücke können dafür sorgen, dass Traumata entstehen.»

Wenn Anzeichen einer PTBS deutlich werden, sei es wichtig, dass die Hilfe zeitnah erfolgt. Andernfalls drohen schwere Depressionen, Angstzustände oder auch Schlafstörungen. Bis hin zur Berufsunfähigkeit. Freunde und Familien von Soldaten sehen oftmals einen stark veränderten Menschen vor sich, wenn sie von Auslandseinsätzen heimkehren. Die Figur des David erzählt eben doch nicht nur eine fiktive Geschichte. (nz)

 
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