«Wir wollen mit dem braunen Sumpf nichts zu tun haben.»:
Michelles Eltern distanzieren sich von Neonazis
28. Aug 2008 13:39, ergänzt 02. Sep 2008 10:39
 |  Neonazis haben Michelles Tod zu Propaganda-Zwecken missbraucht | Foto: dpa |
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Rechtsextreme haben die Ermordung der Grundschülerin Michelle genutzt, um in Leipzig für die Einführung der Todesstrafe zu demonstrieren. Sogar ein Onkel der Ermordeten ist daran beteiligt.
Die Eltern der ermordeten Michelle aus Leipzig distanzierten sich nach Angaben der Anwältin der Familie Ina Alexandra Tust deutlich vom Versuch von Rechtsextremisten, das Gedenken an Michelle für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
Der Vater habe dazu erklärt: «Wir wollen mit dem braunen Sumpf nichts zu tun haben.» In den letzten Tagen hatten Rechtsextremisten mehrfach Trauermärsche in Leipzig als Plattform für ihre Propaganda missbraucht. Gefordert wurde auch die Wiedereinführung der Todesstrafe. Tust sagte, die Eltern hätten bislang auch keine Kenntnis davon gehabt, dass ein Bruder von Michelles Mutter einer der Organisatoren rechtsextremistischer Kundgebungen sei. Michelles Familie wolle deren Onkel nun bitten, die Aktivitäten einzustellen.
Die Eltern hoffen sehr, dass der Mörder ihrer Tochter möglichst bald gefasst wird. «Für die Angehörigen ist es sehr wichtig, dass der Täter nicht mehr frei herumläuft», sagte Tust.
Unter Schock
Die Eltern und die Geschwister von Michelle stünden noch immer unter Schock. Unklar ist bislang, wann Michelle beigesetzt wird. Die Polizei hatte auch am Donnerstag keine heiße Spur. Tust betonte, die ganze Familie befinde sich in einer psychischen Ausnahmesituation. Der Schmerz sei für Außenstehende nicht vorstellbar. «Alle hoffen immer wieder, dass es ein böser Traum ist, aus dem sie erwachen.» Michelles Leiche wurde inzwischen von der Gerichtsmedizin freigegeben. Tust sagte, die Beisetzung solle auf Wunsch der Familie nur im engsten Kreis und unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien stattfinden. Die Anwältin hob hervor, die Eltern seien dankbar für die große öffentliche Anteilnahme. Sie rief zugleich aber eindringlich dazu auf, den Wunsch der Familie nach einem stillen Abschied zu respektieren. Wann das ermordete Mädchen beigesetzt wird, steht noch nicht fest. Die Familie befindet sich derzeit an einem geheimen Ort außerhalb von Leipzig, wo sie von Psychologen betreut und von Mitarbeitern der Opferorganisation Weißer Ring unterstützt wird.
Abschottung von den Medien
An einen normalen Tagesablauf sei derzeit nicht zu denken, sagte Tust weiter. Nach ihren Angaben kann der 37-jährige Vater, ein Taxifahrer, vorerst auch nicht seiner Arbeit nachgehen. Die Eltern konzentrierten sich auf die beiden fünf und elf Jahre alten Brüder von Michelle und versuchten, sie soweit wie möglich von den Medien abzuschotten, um sie nicht noch mehr zu traumatisieren. Die Eltern kündigten über ihre Anwältin zudem an, sie würden bei einem Prozess als Nebenkläger auftreten. Die Eltern würdigten auch die Bemühungen der Polizei bei der Suche nach dem Täter. Michelle war am Montag vor einer Woche von der Schule nicht nach Hause gekommen. Wenige Tage später fanden Spaziergänger ihre Leiche. Die Grundschülerin fiel einem Gewaltverbrechen zum Opfer. (AP)