22.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Große Anteilnahme an der Ermordung des Mädchens
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Warum nur, Michelle?»: In Leipzig herrscht tiefe Trauer, aber auch Wut über die Ermordung des achtjährigen Mädchens. Eine Soko der Polizei sucht fieberhaft nach dem Täter und hat eine Belohnung in fünfstelliger Höhe ausgelobt.
Vor dem mehrstöckigen Haus, in dem die ermordete Michelle aus Leipzig gewohnt hat, legt eine Frau eine Blume auf den Bürgersteig. Sie weint. Andere Menschen stellen neue Kerzen auf. Einige hundert Meter weiter liegen vor der Schule inzwischen dutzende Stofftiere. Am Tag, nachdem das tagelange Bangen zur schrecklichen Gewissheit über Michelles Tod wurde, trauern viele Leipziger.
Tränen flossen auch im Lehrerkollegium von Michelles Grundschule. Auf selbst gemalten Plakaten vor der Schule steht: «Warum nur, Michelle?» und «Wir vermissen Dich alle». In die Trauer mischt sich auch Wut. «An alle, die unseren Kindern das antun: Fahrt zur Hölle!», ist auf einem Zettel zu lesen.
Am Montag, dem ersten Schultag in Sachsen, wird die Achtjährige in der dritten Klasse der 25. Grundschule fehlen. «Alle Lehrer der Schule werden natürlich diesmal nicht über das schönste Ferienerlebnis sprechen, sondern über Michelle», sagt Roman Schulz von der zuständigen Schulbehörde.
10.000 Euro BelohnungDie Kinder dürfen, wenn sie wollen, einen Brief an ihre ehemalige Mitschülerin schreiben oder einen Blumenstrauß für sie malen. Die Erwachsenen können an diesem Samstag bei einem Gedenkgottesdienst in der evangelischen-lutheranischen St.-Trinitatis-Kirche, die sich nicht weit vom Wohnort der Schülerin befindet, Abschied nehmen.
Die Polizei fahndet unterdessen fieberhaft nach dem Mörder des blonden Mädchens bisher allerdings noch ohne heiße Spur, wie eine Sprecherin sagt. 10.000 Euro Belohnung wurden für Hinweise ausgesetzt, die zum Mörder des Mädchens führen. Auf allen Ebenen treibt die 177-köpfige Sonderkommission «Michelle» die Suche voran. Mit technischen Hilfsmitteln und psychologischem Druck wollen die Fahnder dem Mörder auf die Spur kommen.
Morgens sucht erneut eine Hundertschaft Polizisten den Park rund um den Teich ab, in dem Spaziergänger die Leiche am Donnerstag fanden. Gleichzeitig rücken Taucher an, um den schlammigen Grund des Gewässers abzusuchen. Auf allen Vieren kriechen sie durch das dunkle Wasser offenbar ohne größere Erfolge. Denn anschließend pumpt die Feuerwehr das Wasser ab.
«Wir kriegen ihn so oder so»Über dem Osten Leipzigs kreist wie in den vergangenen Tagen ein Polizeihubschrauber. Zum wiederholten Mal werden der Park und die Umgebung fotografiert, die Bewohner der benachbarten Häuser befragt. Die rund um die Uhr arbeitende Soko «Michelle» und ihr Chef, Kriminaldirektor Uwe Matthias, haben jetzt einen Vorteil: Sie können die Fahndung gezielt auf das Gebiet um die Grundschule von Michelle und den Teich konzentrieren.
Ob das Mädchen bereits am Montag, dem Tag ihres Verschwinden, oder erst später getötet wurde, hält die Polizei geheim. Das gleiche gilt für die Frage, ob sie Opfer eines Sexualverbrechers wurde. Je weniger der Täter über den Stand der Ermittlungen wisse, umso eher mache er Fehler, erläutert ein Beamter die Polizeitaktik. Die Polizei teilte daher auch nicht mit, ob bei der Tat sexueller Missbrauch eine Rolle gespielt hatte.
Sogenannte Profiler Fallanalysten der Polizei versuchen, dem Täter psychologisch auf die Spur zu kommen. Sie versuchen aus dem Fundort, dem Zustand der Leiche und anderen Spuren die verschiedenen Motive des Täters und seine Einstellung aufzudecken. Fühlt er sich sicher? Ist er risikobereit? Ist es ein Wiederholungstäter? Welcher Schicht gehört er an? Diese Fragen treiben die Profiler um. Angesichts des großen Verfolgsdrucks schließt die Polizei nicht aus, dass sich der Mörder selbst stellt. «Wir kriegen ihn so oder so, es ist nur eine Frage der Zeit», sagte eine Sprecherin. (Andreas Rabenstein und Sophia-Caroline Kosel, dpa)