Jahrelange Ermittlungen: 

netzeitung.dePolizei hebt Kinderporno-Ring aus

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Sichtung von pornografischem Material (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sichtung von pornografischem Material
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Zahlen und Bilder haben selbst erfahrene Beamte überrascht: 48.000 User bedienten sich bei einer Kinderporno-Seite aus Konstanz. Die Polizei ermittelt gegen knapp 1000 Verdächtige.

In jahrelanger Ermittlungsarbeit hat die Polizei ein internationales Pädophilen-Netzwerk aufgedeckt. Sie ermittelte Daten von Tausenden Internetnutzern aus 98 Staaten, die zwei Kinderpornos bei einem Provider im Bereich Konstanz heruntergeladen hatten, wie das Landeskriminalamt Bayern am Freitag mitteilte. Alleine in Deutschland gebe es 987 Verdächtige aus allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen. Die Ermittlungen hätten 2006 begonnen und seien weitgehend abgeschlossen, erklärte die Polizei. Es gebe bereits erste Verhaftungen und Urteile.

Man habe sich aber erst jetzt dazu entschieden, mit Informationen zur großangelegten «Operation Smasher» an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte ein Sprecher. Im Zuge der Ermittlungen seien alleine in Deutschland 1000 PCs, 1800 Videos und fast 45.000 Datenträger sichergestellt worden. Mehrere hundert Verdächtige seien bereits überführt. Meist seien es Männer. In drei Fällen habe sich herausgestellt, dass sich die Verdächtigen auch an ihren Töchtern vergangen hätten.

Ein 41-Jähriger aus Schleswig-Holstein sei deswegen zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Er habe seine beiden Töchter und andere Mädchen fast täglich missbraucht. Ausgangspunkt der Ermittlungen waren zwei Kinderpornos auf einer Internetplattform im Bereich der Staatsanwaltschaft Konstanz, auf die die Beamten durch einen Hinweis aus Italien gestoßen seien. Auf den Videos wurden ein zehn- und ein zwölfjähriges Mädchen jeweils massiv missbraucht.

Ermittlugnen im Ausland
Innerhalb eines Monats wurde nach den Recherchen des LKA auf diese Inhalte 48.000 Mal zugegriffen. Diese Zahl sei selbst für die erfahrenen Beamten erschreckend hoch. Die Pädophilen hätten die Adressen der Filme über einschlägige Internetforen ausgetauscht. Der Betreiber, der laut Polizei nur den Speicherplatz für die Videos zur Verfügung gestellt hatte und nichts von den Inhalten wusste, übergab den Ermittlern die Download-Protokolle.

Rund 7500 Verbindungsdaten deuteten auf Nutzer aus Deutschland hin, allerdings konnten nur 987 Verdächtige ermittelt werden, da damals noch keine Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung existierte, wie die Polizei erklärte. 41.000 Daten wurden ins Ausland weitergeleitet. Auch dort hätten die Ermittlungen zu Verhaftungen geführt. In Österreich seien 80 Tatverdächtige ermittelt worden, in Polen 65, in der Türkei 53 und in Australien 38. (AP/dpa)