20.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das Felssturzgebiet an der Ostflanke des Eigers
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Berner Oberland werden Berge versetzt. Seit zwei Jahren gleitet eine riesige Felsnase der Eiger Ostflanke ins Eis hinein. Den ersten großen Felsstürzen sollen weitere folgen.
50.000 Kubikmeter Fels, so viel wie 50 große Einfamilienhäuser, sind am Montag an der Eiger Ostflanke im Berner Oberland abgebrochen und bergab gedonnert. Menschen sind in der Region nicht gefährdet. «Der Fels wird zusehends geschwächt durch die Gleitbewegung, die er macht», sagt Geologe Hans Rudolf Keusen. Seit zwei Jahren gleite eine Felsnase mit dem Volumen von rund einer Million Kubikmetern ununterbrochen abwärts ins Eis hinein.
Bereits im Juli waren 450.000 Kubikmeter Fels hinab auf den Unteren Aletschgletscher gestürzt. Jeden Tag legt die Felsnase vier Zentimeter auf einer 35 Grad steilen Felsfläche zurück. Seit der letzten Messung im Juli 2007 glitt er so 15 Meter vorwärts, so dass der Spalt zwischen der Eigerflanke und der wegrutschenden Felsnase mittlerweile 50 Meter breit ist. «Das Eisfeld bremst die Felsnase, kann sie aber nicht aufhalten,» sagt Keusen.
Die Bewegung der Felsnase begann im Juni 2006 und zog zahlreiche Schaulustige an. Den Ursprung hat sie laut Keusen aber wahrscheinlich am 22. August 2005, einem Unwetter-Tag mit extremen Regenmengen. An jenem Augusttag wurden zahlreiche Mikrobeben registriert, zwei davon hatten ihren Ursprung im etwa 400 Meter entfernten Gletschersee. Nach Keusens Theorie hatte sich infolge des Unwetters viel Wasser im Gebirge gesammelt. Durch den Wasserdruck wurden latent bestehende Spalten aufgesprengt, was die kleinen Beben auslöste. Wasserdruck öffnete demnach auch den Spalt bei der Felsnase am Eiger, der sich seither vergrößert. (nz/AP)