Kreative Spots zur Aids-Prävention:
Kondome für Vampire
18. Aug 2008 12:15
 |  Sie sagen es "Clip & Klar": Junge Filmemacher warnen vor HIV | Foto: NZ Screenshot |
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Gurken mit Kondomen sind ja schön und gut – aber überzeugen sie Jugendliche von Verhütung? Ein Kreativwettbewerb für Film-Studenten soll's nun richten: Die Zukunft der HIV-Vorbeugung gehört den Online-Videos.
Als vor einigen Tagen die Welt-Aids-Konferenz in Mexiko zu Ende ging, blieb eine bittere Erkenntnis: Die Vorbeugung gegen die Krankheit hat auf breiter Front versagt. Zu diesem Schluss kamen führende Aids-Forscher in einer Analyse für das Medizin-Fachblatt «The Lancet», die auf der Konferenz veröffentlicht wurde.
Der Studie zufolge würden über 90 Prozent der gefährdeten Menschen weltweit von den Präventionsprogrammen nicht erreicht. Besonders Risikogruppen wie Drogenabhängige, Prostituierte oder homosexuelle Männer würden aus politischen Gründen ignoriert.
Junge Kreative statt Gemüse
Ob allgemeingültige Plakate mit Kondom-Bestücktem Gemüse wie bei der «Mach's mit»-Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) dieses Problem lösen, ist fraglich. Nun schlägt auch die BZgA neue Wege ein und hat den Kreativwettbewerb «Clip & Klar» für Studierende von Film- und Medienhochschulen ins Leben gerufen – in der globalen Welt des Internets.In bis zu 30-sekündigen Spots konnten die Teilnehmer ihre Ideen zum Thema Aidsprävention umsetzen, um jüngere Menschen für das HIV-Risiko zu sensibilisieren. Gerade bei der Zielgruppe zwischen 16 und 25 müsse das Gefahren-Bewusstsein immer wieder neu gestärkt werden: «Es ist wichtig, nach ungewöhnlichen Wegen in der Aidsprävention zu suchen, um auch diejenigen anzusprechen, die mit den bisherigen Mitteln nicht erreicht werden konnten», erklärte Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA.
Ins Kino mit Christiane Paul
Der neue Kommunikationspreis ist Teil der Dachkampagne «Gib Aids keine Chance». Sie wurde 1987 im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums gestartet und ist seitdem kontinuierlich weiter entwickelt worden. Nach über 90 TV- und Kinospots - der berühmteste ist wohl immer noch Hella von Sinnens «Was kosten die Kondome?»-Brüller an der Supermarktkasse - ging am vergangenen Wochenende die «Clip & Klar»-Website online. Hier kann man alle 56 eingereichten Video-Clips anschauen und per Klick seinen persönlichen Favoriten für den Publikumspreis wählen. Welcher Spot es auf die Leinwand schafft, entscheidet eine siebenköpfige Jury, der auch die Regisseurin Angelina Maccarone angehört. Zur Preisverleihung am 30. September werden Bundesgesundheitsministerium Ulla Schmidt sowie die Schauspielerin und Ärztin Christiane Paul erwartet.
Zum Lachen und Nachdenken
Die filmischen Ideen der Teilnehmer sind schlicht, aber einprägsam: Sie holen den jungen Zuschauer im Alltag ab, anstatt das Thema unnötig künstlerisch zu abstrahieren. Da verzichtet ein junges Paar auf Kondome, weil sie die Pille nimmt. Dazu wird der Slogan «Ein Kind verändert dein Leben – Aids beendet es» eingeblendet.
Junge Migranten kommen ebenso zu Wort wie Schwule und viele Spots bringen einen zum Schmunzeln: Es gibt Kondome für Vampirzähne, böse Überraschungen beim Cybersex, Sex-Man zeigt seine Superkräfte und ein miserabler Golf-Spieler rät zum «Besser sicher einlochen.» Hoffentlich findet er Gehör.
Für das Web ediert von Maike Schultz