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Datenklau nicht Einzelfall, sondern systematisch: 

Die Daten der Anderen

18. Aug 2008 10:45
Missbrauch von persönlichen Daten ist verbreitet - vor allem bei Callcentern
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Die einzelnen Fälle sind nur die Spitze des Eisberges, der Skandal ist das System dahinter: Ein Informant sicherte einem Bericht zufolge 1,5 Millionen Datensätze und ein Händler bot 50.000 Bankverbindungen an.

Der Skandal um den Missbrauch von Bankverbindungen nimmt immer größere Ausmaße an: Der Informant, der eine CD mit 17.000 Daten anonym an die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein geschickt hatte, will dem «Spiegel» zufolge insgesamt 1,5 Millionen solcher Datensätze gesichert haben. Laut dem Nachrichtenmagazin arbeitete der 36-Jährige bei einem Lübecker Call-Center, dessen Geschäftsführer die Daten dem Personal gab. «Ich will, dass solche Machenschaften aufhören, deshalb mache ich sie jetzt öffentlich», wurde der 36-Jährige zitiert.

Vergangene Woche hatte sich ein Datendieb in Hannover der Polizei gestellt. Dieser Mann hatte einem Bericht zufolge der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) etwa 2,5 Millionen Datensätze gestohlen und sie dreimal verkauft. Unterdessen ist offenbar eine neue Datensammlung aufgetaucht, wie das Magazin «Focus» berichtete.

In den vergangenen Tagen habe im Ruhrgebiet ein Datenhändler 50.000 Adressen mit dazugehörigen Telefonnummern und Bankverbindungen angeboten, schreibt die Zeitschrift. Die Datensätze stammen «Focus» zufolge von zwei Lotterieveranstaltern, einem Mobilfunkanbieter und einer als gemeinnützig anerkannten Spendenorganisation.

Schaar fordert Umdenken der Verbraucher

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte eine neue Kultur des Datenschutzes. Die Verbraucher müssten beim Schutz ihrer persönlichen Angaben umdenken, sagte Schaar dem Deutschlandradio Kultur. Der Missbrauch von Daten müsse zudem schärfer bestraft werden. Nicht nur geringfügige Bußgelder, sondern massive Strafen in Millionenhöhe seien nötig.

Der Verbraucher müsse einen sorglosen und unangemessenen Umgang mit Daten bestrafen, sagte der Datenschützer. Möglich sei beispielsweise, bei bestimmten Unternehmen nicht mehr einzukaufen oder die Bank zu wechseln. «Wir brauchen eine Datenschutzkultur und ein Bewusstsein darüber, dass Daten, die im Internet preisgegeben werden, eine andere Qualität haben als in der herkömmlichen Welt», erklärte Schaar laut Deutschlandradio Kultur.

Die Unkenntnis vieler Menschen über die Möglichkeiten des Datenaustausches erschwere oft den Schutz persönlicher Informationen. Mit Datensätzen wie dem auf der CD können Unternehmen unberechtigt Geld von Konten abbuchen. Verbraucherschützer sehen einen möglichen Zusammenhang mit jüngsten Missbrauchsfällen, die in mehreren Bundesländern bekannt wurden: Dabei hatten Glücksspiel-Anbieter nach Werbeanrufen trotz eindeutiger Absage Geld von Konten abgebucht.

Künst: Im Grundgesetz verankern

Ähnlich wie Schaar argumentierte auch Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, und forderte die Aufnahme von Datenschutzrechten ins Grundgesetz. «Jeder muss wissen und bestimmen können, wer hat meine Daten, was passiert mit ihnen und wer bekommt sie», sagte die frühere Verbraucherschutzministerin der «Financial Times Deutschland». «Dafür muss das Grundgesetz überarbeitet werden. Diese Rechte gehören in die Verfassung.»

Künast forderte höhere Strafen und schärfere Kontrollen. Bisher werden Verstöße gegen Datenschutzvorschriften mit relativ geringen Bußgeldern und Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren geahndet. «Datenmissbrauch ist kein Kavaliersdelikt, das muss richtig wehtun», sagte Künast. Für bessere Kontrollen brauche man aber auch mehr Personal. «Da sind die Landesregierungen jetzt gefordert.» Zudem müssten die Verbraucher mehr Verantwortung zeigen. «Der Bürger - vor allem die Jüngeren sind da zu sorglos - muss eine strenge Datensparsamkeit praktizieren. Man wirft ja auch sein Geld nicht zum Fenster raus.» (dpa/AP)

 
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