Skandal um Bankdaten: 

netzeitung.deCall-Center im Visier der Staatsanwaltschaft

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Die SKL hat Anzeige gegen unbekannt erstattet (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die SKL hat Anzeige gegen unbekannt erstattet
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Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen im Skandal um Verbraucher-Daten ausgeweitet. Ein Lübecker Call-Center steht im Verdacht, die Daten von 17.000 Bundesbürgern gekauft zu haben.

Im Skandal um die Weitergabe von Bankdaten tausender Verbraucher haben Ermittler jetzt auch ein Call-Center in Lübeck durchsucht. Bei der Aktion seien am Mittwochabend mehrere Computer sichergestellt worden, sagte der Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft, Klaus-Dieter Schulz, am Donnerstag.

Die Daten müssten jetzt ausgewertet werden. Die Anklagebehörde ermittelt gegen den Geschäftsführer des Call-Centers wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Datenschutzgesetz. Er wurde bereits vernommen, wie Schulz sagte. Einzelheiten zur Aussage des Mannes nannte er aber nicht. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar will anlässlich des Skandals höhere Bußgelder beim unzulässigen Verkauf persönlicher Angaben durchsetzen.

Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein war anonym eine CD mit Datensätzen von mehr als 17.000 Bürgern zugespielt worden, die Namen, Adressen, Geburtstage und Kontonummern enthielten. Daraufhin hatte das Landesdatenschutzzentrum in Kiel Strafanzeige unter anderem gegen eine Firma im niederrheinischen Viersen erstattet, die die Daten an Call-Center weiterverkauft haben soll.

Unberechtigt Geld abbuchen

Diese wurde schon am Dienstag durchsucht. Das Lübecker Call-Center steht in Verdacht, die Daten von dem Unternehmen erhalten zu haben. Mit den Daten auf der CD können Unternehmen unberechtigt Geld von Konten abbuchen. Die Verbraucherschützer sehen einen möglichen Zusammenhang mit jüngsten Missbrauchsfällen, die in mehreren Bundesländern bekannt wurden: Dabei hatten Glücksspiel-Anbieter nach Werbeanrufen trotz eindeutiger Absage Geld von Konten abgebucht.

Viele Betroffene gaben an, vor längerer Zeit Lose der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) per Kontoabbuchung bezahlt zu haben. Die SKL hat erklärt, nie Kundendaten an Dritte weitergegeben zu haben.

SKL stellte Strafanzeige gegen Unbekannt

Am Donnerstag teilte das Unternehmen mit, man habe Strafanzeige gegen unbekannt wegen Datenmissbrauchs und Verdachts des Geheimnisverrats gestellt. Basis für die Anzeige sei ein «Bild»-Bericht, nach dem sich ein mutmaßlicher Verantwortlicher der rechtswidrigen Datenbeschaffung bei den Behörden gemeldet habe. Der Telefonwerber hatte demnach vor zwei Jahren Daten für die SKL gesammelt.

Die Verbraucherzentrale Hamburg berichtete am Donnerstag zudem über Beschwerden von Verbrauchern über die Firma BC Bonusclub GmbH, ein Unternehmen der Direct-Group Bertelsmann. Die Betroffenen hätten Begrüßungsbriefe als angebliche Neumitglieder eines Bonus-Clubs erhalten, in denen ihre Kontonummer genannt werde - sie hätten zuvor jedoch nie Kontakt mit der Firma gehabt. Ein Sprecher der Direct-Group Bertelsmann sagte man habe Hinweise, dass Kunden der BC Bonus Club geschädigt worden seien. Diesen gehe man derzeit nach.

250.000 Euro Bußgeld
Für den unzulässigen Verkauf persönlicher Daten werden nach Angaben des Bundesdatenschutzbeauftragten derzeit Bußgelder bis zu 250.000 Euro verhängt. «Ich trete für eine deutliche Aufstockung der Strafe ein, denn es kann nicht sein, dass ein Unternehmen, das gegen das Gesetz verstößt, ein Bußgeld erhält, das so niedrig ist, dass es aus der Portokasse bezahlt werden kann», sagte Schaar dem «Hamburger Abendblatt».

Zudem will Schaar bei widerrechtlichen Abbuchungen von Konten die Banken stärker in die Pflicht nehmen. Sie sollten sich bei Abbuchungen stichprobenweise die Einzugsermächtigungen vorlegen lassen und bei Unregelmäßigkeiten bei einem Unternehmen, das Beträge von Konten abbuche, andere Kunden warnen. «Bislang prüfen die Banken bisweilen nicht einmal nach, ob der angegebene Name für ein Konto zur Kontonummer passt.» (AP)