Angst vor der Familie: 

netzeitung.deMilde Strafe für Kindstötung

 Herausgeber: netzeitung.de

Über eine junge Mutter, die ihr Kind direkt nach der Geburt getötet hat, ist heute ein Urteil gesprochen worden. Die Frau habe sich bei der Geburt, wie das «Kaninchen vor der Schlage» gefühlt, so ein Gutachter.

Wegen der Tötung ihres Babys ist eine 23-jährige Frau vom Landgericht Wuppertal zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Die fünfte große Strafkammer entschied am Donnerstag auf Totschlag in einem minderschweren Fall. In den Augen der Richter befand sich die junge Frau in einer psychischen Ausnahmesituation und war nur vermindert schuldfähig, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.

Die Angeklagte hatte gestanden, das Mädchen im Mai 2007 in der Badewanne ihrer Wohnung zur Welt gebracht und unmittelbar nach der Geburt erstickt zu haben. Als Grund gab die 23-jährige Frau aus dem Kongo an, Angst vor ihrer Familie gehabt zu haben. Ihre Eltern hatten ihr gedroht, sie bei einer weiteren Schwangerschaft zu verstoßen.

Die Angeklagte, die 1996 nach Deutschland gekommen war, ist bereits Mutter eines fünfjähriges unehelichen Sohnes. Laut Sachverständigengutachten hatte sie sich bei der Geburt in der Badewanne wie das «Kaninchen vor der Schlange» gefühlt und keinen anderen Ausweg als die Tötung ihres Neugeborenen gesehen.

Als sie ihre Schwangerschaft bemerkt hatte, sei es bereits zu spät für eine Abtreibung gewesen. Laut Gerichtssprecher leidet die 23-Jährige sehr unter der Tat und trägt sich mit Selbstmordgedanken. Das Gericht legte ihr auf, eine bereits begonnene Therapie fortzusetzen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine fünfjährige Haftstrafe gefordert.

Zur Zeit der Geburt hatte die Frau bei ihren Eltern in einem Wuppertaler Mehrfamilienhaus gelebt - zusammen mit ihrem Sohn und ihren drei Geschwistern. Die in eine Plastiktüte eingewickelte Leiche des Neugeborenen war ein halbes Jahr nach der Geburt im Keller des Hauses gefunden worden. Die Bewohner hatten die Polizei im November vergangenen Jahres wegen starken Verwesungsgeruchs im Treppenhaus alarmiert. (AP)