12.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der Mann, der sich als Clark Rockefeller ausgibt
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Fall eines verschwundenen Ehepaares hat die Polizei in Los Angeles einen Ex-Gaststudenten aus der bayerischen Provinz identifiziert. Ungeklärt ist aber noch das «Rockefeller-Mystery».
Der «falsche Rockefeller» ist ein Deutscher: Der Hochstapler, der in den USA wegen Verdachts auf Entführung seiner Tochter im Gefängnis sitzt und möglicherweise in einen Doppelmord verwickelt ist, wurde von der Polizei als Christian G. identifiziert. Er wird in Kalifornien seit über 20 Jahren im Zusammenhang mit dem Verschwinden eines amerikanischen Ehepaars gesucht.
Christian G. habe bis 1985 in einem Haus der beiden gewohnt, erklärte die Polizei in Los Angeles. Damals habe er den Namen Christopher Chichester benutzt, bevor er sich ab 1993 Clark Rockefeller genannt habe. Berichten zufolge soll der angeblich 1961 in Oberbayern geborene Christian G. im Alter von 17 Jahren als Gaststudent in die USA gegangen sein. Dann lebte er unter verschiedenen Identitäten in mehreren US-Staaten.
Bruder erkannte ihn auf FotoNach amerikanischen Presseberichten erkannte ihn sein Bruder Alexander auf einem Foto, das ihm ein Reporter zeigte. Im Fall des verschwundenen Ehepaars sollen nun neue forensische Tests durchgeführt werden. Zum Verhängnis wurde dem angeblichen Rockefeller, der 1993 in der New Yorker High Society auftauchte, offenbar die Liebe zu seiner Tochter. Am 27. Juli soll er das siebenjährige Mädchen, das bei seiner geschiedenen Frau lebte, auf offener Straße gekidnappt haben. Vor einer Woche wurde «Rockefeller» schließlich im mehrere hundert Kilometer südlich von Boston gelegenen Baltimore im Staat Maryland gefasst. Das Kind wurde wohlbehalten zur Mutter zurückgebracht.
Zugleich trat das «Rockefeller-Mystery» zutage, wie es in der US-Presse heißt. Denn die Familie des Öl-Magnaten John D. Rockefeller erklärte, Clark sei kein Verwandter. Die Behörden fanden keinerlei Unterlagen über diesen «Rockefeller», die vor 1993 datieren.
Erinnerung an verschwundenes Ehepaar Der Verdächtige selbst verweigert die Aussage. Sein Anwalt erklärte zunächst, er erinnere sich an keinerlei Ereignisse vor dem Jahr 1993. Er spreche zwar Deutsch, sei aber nach seiner Erinnerung nie in Deutschland gewesen und habe auch keinen deutschen Bruder.
Das Verschwinden des Ehepaares im Jahr 1985 sei seinem Mandanten irgendwann einmal aufgefallen, er habe die beiden aber kaum gekannt, sagte der Anwalt jedoch später. Auch erinnere er sich daran, dass er den Namen Chichester benutzt habe. Er habe als Schauspieler Fuß fassen wollen und deswegen einen anderen Namen benutzt. Mit dem deutschen Namen G. könne der Verdächtige jedoch nichts anfangen. (AP)