Sibirische Schwarze Sonne:
Sonnenfinsternis-Rummel in Nowosibirsk
31.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Zwischen Kiel und Konstanz ist das kosmische Schattenspiel am Freitagvormittag als sogenannte partielle Sonnenfinsternis zu beobachten, da der Mond von Mitteleuropa aus gesehen nur teilweise vor der Sonne vorbei wandert. Die Sonnenscheibe wird dabei je nach Standort zwischen 6 und 22 Prozent angeknabbert - wer vormittags gegen halb zwölf nicht extra hinschaut, wird das noch nicht einmal mitbekommen.
In Nowosibirsk ist das Spektakel der «Schwarzen Sonne» in voller Entfaltung zu beobachten: Der Mond schiebt sich komplett vor die Sonnenscheibe, mit einem Mal wird es für kurze Zeit Nacht. «Diese einzigartige Darbietung macht unsere Stadt am Freitag weltberühmt», frohlockt Oberbürgermeister Wladimir Gorodezki.
Dabei sorge die sibirische 1,5-Millionen-Metropole auch für Hobby-Astronomen, die ohne eigenes Teleskop anreisen: Etwa 20 kostenlose Beobachtungsplätze, zum Teil malerisch am Ob-Ufer gelegen, mit insgesamt 200 Fernrohren habe die Kommune für Besucher eingerichtet, sagte Gorodezki der Agentur RIA Nowosti. An vielen Stellen würden Helfer spezielle Brillen anbieten, und für Notfälle stünden Sanitäter bereit.
Zudem bieten örtliche Clubs wie «New York Times» an der Lenin-Straße, in dem schon die deutsche Band Scorpions rockte, spezielle Abendshows an. Und einige der 87 Hotels veranstalten «Sonnenfinsternis-Galas» mit festlichen Buffets und Tanzmusik.
«Zum Essen serviert man im Sonderspeisewagen hoffentlich gute russische Küche», sagt Dana Ritzmann vom Moskauer Goethe-Institut, das die Reise mitorganisiert. In Nowosibirsk erleben die Jugendlichen aus zwölf Schulen und Verbänden mit 30 Gleichaltrigen aus Russland Ausflüge in die Region sowie Workshops und verfolgen das Naturschauspiel.
«Der Sonne wegen nach Sibirien, das gab es noch nicht», wundert sich Dolmetscher Boris Berestow aus Nowosibirsk. Prognosen zufolge soll auch das Wetter mitspielen. Von einem Militäreinsatz wie am 9. Mai ist jedenfalls nichts bekannt: Damals hatte die russische Armee zum Tag des Sieges über Hitler-Deutschland mit einer Mixtur aus Stickstoff und einer Silberlegierung oder mit Zementpuder erfolgreich Wolken vom Himmel über Moskau vertrieben. (Wolfgang Jung, dpa)

