30.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bischof Schick spricht vor der Presse über die Vorwürfe gegen seinen Angestellten
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Einen ersten Hinweis hatte das Bistum Bamberg zu den Akten gelegt ohne Folgen für den Beschuldigten. Doch als sich weitere Opfer meldeten und von Berührungen im Intimbereich berichteten, musste die Diözese aktiv werden.
Ein Domkapitular der Erzdiözese Bamberg soll sich jahrelang an Knaben eines katholischen Internats sexuell vergangen haben. Der Priester trat noch am Mittwoch als Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal in der Erzdiözese zurück.
Wie schwerwiegend die Vergehen des 63-Jährigen gewesen sein sollen, der zum engsten Führungsstab um Erzbischof Ludwig Schick gehört, ist derzeit noch unklar. Ein Bistumssprecher sagte zu den Vorwürfen, es gehe von «in den Arm nehmen bis hin zu körperlichem Anfassen». «Es gibt momentan keine Hinweise auf extreme Sachen wie Vergewaltigung», erläuterte der Sprecher. Schick versprach rückhaltlose Aufklärung. Der Priester habe Schüler im Alter zwischen 10 und 20 Jahren in seiner Obhut gehabt.
Nach Bistumsangaben haben sich bislang vier angebliche Missbrauchsopfer gemeldet. Ob es weitere gibt, ist noch unklar. Nicht alle Betroffenen hätten von sexuellen Übergriffen berichtet, teilweise jedoch von unsittlichen Berührungen im Intimbereich, sagte eine Bistumssprecherin.
Taten möglicherweise verjährtDie Staatsanwaltschaft Bamberg nahm Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen gegen den Mann auf, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Joseph Düsel sagte. Es werde auch geprüft, ob die möglichen Taten nicht bereits verjährt sind. Dies hänge unter anderem von der Schwere der Vergehen und vom Alter der Opfer zur Tatzeit ab.
Der 63-Jährige ist einer von zwölf Domkapitularen des Bistums. In dem Bamberger Internat Ottonianum war der Geistliche bis 1991 tätig, von 1976 bis 1978 zunächst als Präfekt, also Seelsorger und Ansprechpartner für die Jungen, dann als Direktor. «Es gibt keinen einzigen Hinweis auf eine spätere Zeit», sagte ein Bistumssprecher mit Blick auf mögliche weitere sexuelle Übergriffe. Seit 1999 ist das 1866 gegründete Internat geschlossen.
Der Priester ist seit dem 18. Juli beurlaubt. Zuvor sei er von einem Arbeitsstab des Erzbistums, der Vorwürfen über sexuellen Missbrauch nachgeht, befragt worden. Erste Anschuldigungen waren bereits im vergangenen Herbst an die Erzdiözese herangetragen worden, als sich ein ehemaliger Internatsschüler meldete. Der Arbeitsstab sei sofort tätig geworden. «Es war wohl Aussage gegen Aussage», erläuterte der Sprecher den Grund, warum die Sonderermittler damals keinen akuten Handlungsbedarf sahen und den Einzelfall zu den Akten legten.
Weitere Opfer«Dann gab es aber weitere Hinweise» - und zwar weitere Opfer, die sich meldeten und den Verdacht erhärteten. Nach den Vorwürfen bot der Domkapitular am Mittwoch dem Erzbischof seinen Rücktritt vom Amt als Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal an. Schick habe den Rücktritt angenommen, sagte eine Sprecherin. Über das Amt als Domkapitular werden in den nächsten Wochen entschieden.
Vor acht Jahren war ein Pfarrer des Erzbistums wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Zwei Jahre später ernannte die Diözese einen Beauftragten, der Verdachtsfällen von Kindesmissbrauch nachgeht. (dpa/AP)