Leere Kundentresore in Berlin: 

netzeitung.deDreister Bankeinbruch «mit Seltenheitswert»

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Die Polizei wurde erst spät alarmiert (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Polizei wurde erst spät alarmiert
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Es muss einige Zeit gedauert haben, die Mauer durchzustemmen. Seltsamerweise blieb die Alarmanlage still, die Täter konnten 100 Schließfächer in aller Ruhe ausräumen. Ein Bankvertreter spricht von einem Supergau.

Wahrscheinlich waren es organisierte Kriminelle. Sie haben die Wand durchbrochen und sind am Wochenende zu den Kellerschließfächer der Commerzbank-Filiale am Kurfürstendamm in Berlin vorgedrungen. Dann haben sie rund 100 Schließfächer ausgeräumt. Ein Bankvertreter sprach von einem Supergau.

Die Einbrecher machten sich Bauarbeiten an dem Gebäude am Olivaer Platz zunutze, das vollständig eingerüstet und mit einer Plane abgedeckt ist. Die laut Polizeiexperten mindestens vier Täter ließen die Stahltür des Tresorraums unbehelligt und stemmten stattdessen zeitaufwendig die Mauer auf. Die Zahl der aufgebrochenen Schließfächer, die mit Hammer und einem starken Schraubenzieher relativ leicht zu öffnen sein sollen, wurde lediglich mit «weniger als 125» von insgesamt 500 angegeben.

«Taten von dieser Qualität haben ausgesprochenen Seltenheitswert,» sagte Dirk Jacob, der ein Kripo-Dezernat leitet. Eine kriminelle Handschrift, die in eine bestimmte Richtung weisen könnte, sei nicht erkennbar. Auch vorgefundene Taschen aus Polen seien Standardware und kein konkreter Hinweis.

Moderne Kriminaltechnik gegen Verdeckungsfeuer
Über den materiellen Schaden sowie über Schäden durch gestohlene oder verbrannte Unterlagen gibt es laut Commerzbank noch keinen Überblick. Commerzbank-Vertreter Wolfgang Bernecker sagte, jedes Fach sei mit 26.000 Euro versichert. Der Bruch sei auch ein Schlag gegen das Vertrauen der Kunden: «Das ist für uns furchtbar», fügte er hinzu.

Die Tat wurde erst am Montag mit dem Anrücken der Bauarbeiter gegen 6.30 Uhr entdeckt. Sie alarmierten die Feuerwehr, die die Reste eines Brandes löschte, der durch angezündete Papiere aus den Schließfächern ausgelöst wurde. Die Polizei sprach von einem «Verdeckungsbrand», den Täter in der irrigen Annahme legen, sie könnten damit ihre Spuren vernichten. Dem stehe moderne Kriminaltechnik wirkungsvoll entgegen, versicherte Kriminaldirektor Bernd Finger.

Ermittlungen erst am Anfang
Ein bereits um 5.00 Uhr ausgelöster Alarm wurde vom zuständigen Wachdienst nach lediglich äußerer Beurteilung des Gebäudes als fehlerhaft gedeutet. Das Kellergeschoß, wo sich die Schließanlage befindet, war durch einen Deckendurchbruch zugänglich, der jedoch im Rahmen der Bauarbeiten vorgenommen wurde. Offen ist den Experten zufolge, warum die Alarmanlage nicht anschlug, als die Täter in das Haus eindrangen, sondern möglicherweise erst dann, als sie mit Beute flüchteten. «Wir stehen bei den Ermittlungen erst am Anfang», erklärten sie. (AP)