Totgeglaubter Engländer:
Kanufahrt ins Gefängnis
23.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Enormes Aufsehen erregte der Fall erst, als der totgeglaubte Darwin, der eine Zeit lang auch als Gefängniswärter gearbeitet hatte, am 1. Dezember 2007 durch die Tür eines englischen Polizeireviers schritt. Er heiße wohl John Jones, erzählte er den Beamten, aber ansonsten könne er sich an gar nichts erinnern.
Die eigene Mutter hatte ihnen die traurige Nachricht überbracht. «Sie schlang ihre Arme um mich und sagte mit Tränen in den Augen «Er ist von uns gegangen, wir haben ihn verloren»», schilderte Anthony Darwin vor Gericht. Aus tiefer Enttäuschung wollen die beiden nie wieder mit ihren Eltern sprechen, sagten sie. Doch vielleicht werden sie ihre Meinung ändern - im Laufe der Jahre, in denen die Mutter und der Vater nun hinter Gittern auch über den Betrug an den eigenen Kindern nachdenken können und auf Besucher warten werden.
Womit John Darwin, der passionierte Paddler, sich hinter Gittern die Zeit vertreiben wird, glauben britische Medien bereits herausgefunden zu haben: Mit dem Bau von Modellpaddelbooten zum Beispiel, die sich samt Autogramm gut verkaufen ließen. Schon in der Untersuchungshaft habe er aus Streichhölzern sein erstes Miniatur-Kanu gebaut, berichtete die «Daily Mail».
Abenteuerlich ist die Stroy tatsächlich und dass sich damit Geld machen lässt, hatte Anne Darwin schon im Dezember 2007 erfahren. Damals entschloss sie sich, ihrem Mann nach dessen Festnahme aus dem selbst gewählten Exil im fernen Panama in die Heimat zu folgen. Nicht ohne zuvor Boulevardzeitungen gegen Honorar zu erzählen, wie die Sache gelaufen war: «Er galt als tot, wohnte aber in einem Versteck in unserem Haus in Nordengland. Wir hatten hohe Schulden angehäuft, sie gingen in die Zehntausende. Er sagte, es gebe nur einen Ausweg, nämlich seinen Tod vorzutäuschen.»
Von England aus setzten sich die beiden nach Panama ab, sobald die Versicherung gezahlt hatte. Dumm war nur, dass sie dort auf der Suche nach einer schönen Bleibe bei einem Makler fotografiert wurden - und dass der Mann das nette Bild mit den netten Kunden aus England zwecks Eigenwerbung ins Internet stellte. So flog alles auf. Auch der schöne Plan von John Darwin, eine Ferienanlage in malerischer Umgebung am Karibischen Meer zu bewirtschaften. Laut «Times» sollte es dort für Urlauber auch das Angebot geben, Paddeltouren zu unternehmen - unter sachkundiger Führung versteht sich. (Thomas Burmeister, dpa)

