Spezialklink im Taunus hilft Abhängigen:
Wenn Kiffen nicht mehr lustig ist
23.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung konsumieren zwei bis drei Prozent der 14- bis 17-Jährigen regelmäßig Marihuana. Doch während die Gelegenheits-Kiffer mit den sinkenden Raucherzahlen weniger würden, bleibe der harte Kern starker Konsumenten mit 600.000 Jugendlichen gleichbleibend hoch.
Sechs bis zehn Monate leben die drogenabhängigen Jugendlichen in Eppenhain. Aufgenommen werden sie, wenn sie die Entgiftung hinter sich haben. «Ich habe eine Woche durchgekotzt», berichtet Tim über diese Zeit in einer Einrichtung wie der Drogen- und Alkoholentzugsstation im nordhessischen Wabern. Sie wurde im Juli als landesweit erste qualifizierte Entzugsstation für Kinder und Jugendliche eröffnet. In den vier bis sechs Wochen erfolge zwar der eigentliche Entzug von Cannabis, Alkohol und Heroin, berichtet der ärztliche Direktor Günter Paul. Vor allem aber würden die psychischen Probleme der Jungen und Mädchen wie Depressionen oder Hyperaktivität behandelt.
Alle Drogen mit Ausnahme von Zigaretten sind in der Suchteinrichtung verboten. Fabian und Tim müssen zudem den strikten Tagesablauf mit Alkoholtest um 7.30 Uhr und Nachtruhe um 23 Uhr einhalten. Dazwischen liegen der Besuch der hauseigenen Schule, Therapiesitzungen, Treffen in den Wohngruppen, Sport und Mitarbeit in Gärtnerei oder Küche. Vor allem gehe es in der Langzeitrehabilitation darum, dass die rund 30 Süchtigen lernen, wie sie selbst mit ihrer Abhängigkeit leben können, so Schnöd.
Tims Eltern drängten ihn zum Entzug. Jetzt versucht er im Taunus, den nächsten Schritt aus der Abhängigkeit zu gehen: «Ich muss Wege finden, um abstinent zu bleiben.» Für Momente, in denen sein Verlangen nach der Droge überhandzunehmen droht, trägt Tim immer eine kleine Merkkarte in seiner Hosentasche - bunt und in Plastik eingeschweißt, damit sie lange hält: Auf die Karte hat er geschrieben: «Du zerstörst Deine Perspektive! Du schaffst es! Ruf Deine Drogenberaterin an!» Von Johannes Bentrup (epd)

