Weltkonferenz der anglikanischen Bischöfe: 

netzeitung.deDie bloggenden Bischöfe von Canterbury

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Hier finden sich viele bloggende Bischöfe: Episcopal Café Screenshot: nz (NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hier finden sich viele bloggende Bischöfe: Episcopal Café Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In der anglikanischen Kirche ist ein Grundsatzstreit um Homosexualität ausgebrochen. Dank vieler bloggender Geistlicher lässt er sich auch im Netz verfolgen. Aber nicht jeder Weblog-Eintrag kommt ernst daher.

«Niemals habe ich Eure Gebete so sehr gebraucht wie heute», schreibt Gene Robinson. Der 61-Jährige tippt diese Zeilen in Canterbury, einer hübschen Kleinstadt in Südengland. Dort findet gerade ein großes Ereignis mit Seltenheitswert statt: die Weltkonferenz der anglikanischen Bischöfe, die nur alle zehn Jahre tagen. Robinson ist einer von ihnen. Trotzdem sieht der Bischof das Konferenzzentrum und die Kathedrale nur von außen: Er ist nicht zur Lambeth-Konferenz eingeladen.

Frustriert und ärgerlich mache ihn das, schildert der US-Amerikaner nun in aller Öffentlichkeit. «Ich scheine eine Bedrohung zu sein, egal was ich sage.» Robinson ist einer der Gründe, wieso die anglikanische Kirche gerade gegen eine Spaltung ankämpft. Der Geistliche ist bekennender Homosexueller. Seine Bischofsweihe 2003 sorgte im konservativen Flügel der Kirchengemeinschaft für große Empörung.

So kam Robinson ohne Einladung nach Canterbury - um als Zaungast des Treffens für Schwulenrechte zu werben. Seine wichtigste Waffe ist sein Weblog. Dort veröffentlicht er seine Sicht auf die Lambeth-Konferenz, die bis zum 3. August dauern wird. Und sorgt so dafür, dass weder die Bischöfe noch andere kirchlich Interessierte ihn einfach vergessen.
Streit um Homosexualität
«Eine schlaue Strategie», findet ein akkreditierter britischer Journalist. Denn viele Würdenträger, insbesondere aus den USA, sind begeistert vom Internet und den neuen Möglichkeiten der Kommunikation. Nicht weniger als 28 bloggende Bischöfe wurden auf der Konferenz bisher gezählt, wobei die Liste noch nicht vollständig sein dürfte

Das Netz bietet damit ganz neue Einblicke in eine Welt, die sich der Öffentlichkeit lange relativ verschlossen gezeigt hat. «Die Stimmung ist bis jetzt optimistisch und positiv», berichtet einer der geladenen Konferenzgäste, Bischof Kirk Smith aus Arizona. «Es wird wohl eher schwierig, hier Krawall zu machen.»

Das liegt auch daran, dass eine Reihe sehr konservativer Geistlicher aus Afrika und anderen Regionen die Konferenz von vornherein boykottieren. Der Streit geht neben der Homosexualität auch um die Frauen-Ordination. «Ein nigerianischer Bischof wurde sogar zur Rückkehr gezwungen, vermutlich von seinem Erzbischof», hat Smith erfahren.
Karikaturen und Anekdoten
Ein Geistlicher erzählt von einer Gruppe «bizarrer» Demonstranten aus Deutschland, die seit Tagen in Canterbury unterwegs ist. Ihnen ist die anglikanische Kirche offenbar zu liberal geworden: «Sie warnen uns Bischöfe vor der Fleischeslust und schwadronieren von der Hölle», beobachtet Nick Baines aus dem britischen Croydon.

Bischof David Rossdale aus Grimsby ist dagegen erkennbar vergnügt darüber, dass ein auf dem Konferenzgelände herumlaufender Reporter nicht genug Konfliktstoff gefunden hat: «Wir sind hier, um einander zuzuhören, ob die Medien es nun glauben oder nicht.» Überhaupt finden sich nicht nur bitterernste Themen in den Blogs. Die Bischöfe haben auch zahlreiche Karikaturen und Anekdoten ins Internet gestellt - schließlich ist der Humor eines der wirksamsten Instrumente der Diplomatie.

So freut sich Bischof Smith in einem Eintrag darüber, dass er und seine Frau es aus Zufall auf die Titelseite des populären «Church Magazine» geschafft haben. «Die Kehrseite des Ganzen? Laura schaut aus, als ob sie die Erzbischof-Beauftragte des Geheimdienstes wäre. Und ich schaue aus, als ob ich gerade eine Toilette suche. Was in der Tat auch so war.» (Isabel Guzmán/epd)