Love Parade in Dortmund:
Techno-Liebe auf der Bundesstraße
19. Jul 2008 15:48, ergänzt 16:38
 |  Huhu! Hier wird gefeiert! | Foto: dpa |
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Manche sind 13 Stunden aus den entlegensten Winkeln Deutschlands angereist und wollen bis zum nächsten Morgen durchtanzen. Der moderne Musikaufmarsch wird in alle Welt übertragen.
Lila Perücke, Riesensonnenbrille und ein buntes Kleidchen: Doris (33) aus Oberösterreich ist zur Loveparade in Dortmund weit gereist – und gut drauf. «Es ist super», sagt sie tänzelnd und nimmt einen Schluck aus ihrer Bierdose. Zusammen mit Harry (34) und Sandra (21) ist sie am Samstagmorgen nach zehn Stunden Zugfahrt in Dortmund angekommen, um bei der Riesenparty mit elektronischer Musik unter freiem Himmel dabei zu sein. Nach ihrem erfolgreichen Umzug von Berlin ins Ruhrgebiet im vergangenen Jahr ist die Loveparade am Samstag zum zweiten Mal durchs Revier gezogen. Auf genau so viele Besucher wie im Vorjahr, 1,2 Millionen, hatten die Veranstalter im Vorfeld gehofft.
Die sogenannten Floats kommen aus 15 Ländern wie etwa Australien, Südkorea, Ukraine oder der Türkei. Aber auch die Städte Dortmund und Duisburg sind vertreten. Rund 1,2 Millionen vor allem junge Fans elektronischer Tanzmusik wurden im Vorfeld erwartet. Die 1989 in Berlin gegründete Techno-Parade war im vergangenen Jahr durch Essen und damit zum ersten Mal durch das Ruhrgebiet gezogen.
 |  Der Elektro-Umzug lässt die Herzen der Fans schneller schlagen | Foto: dpa |
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Aufs Bett verzichtet
Sehen und gesehen werden: In teilweise schrillen Klamotten feierten die Techno-Begeisterten auf der gesperrten Schnellstraße B 1. Mittendrin: 37 Musikwagen, sogenannte Floats, die von Clubs oder Labels auf den Rundkurs geschickt wurden. Auch die Stadt Dortmund schickte einen Sattelschlepper mit Musik auf die Piste. Michel (21) aus Rosenheim mit neongrüner Hose und coolem armfreien Polyester-Shirt ist zum ersten Mal bei einer Loveparade dabei und begeistert: «Die Leute sind total nett hier und helfen sofort». Als er und seine Freundin am Freitagabend ankamen, suchten sie erstmal eine Disco, um zu tanzen. Dort löste sich auch das bis dahin ungelöste Problem des fehlenden Schlafplatzes: «Wir haben Leute kennengelernt, die uns mit in ihre Pension genommen haben. Wir haben dann mit zehn Leuten in einem Zimmer geschlafen.» In der Nacht auf Sonntag wollen die beiden auf ein Bett verzichten: Ihr Zug geht bereits um 4 Uhr am Sonntagmorgen. Bis dahin wollen sie durchfeiern.
«Da kann man ein bisschen mitzuckeln»
Auch ältere Semester in Straßenkleidung kamen zur Parade. Eine 52- Jährige aus Datteln schlenderte vor dem Start mit ihrem 54-jährigen Cousin aus Kapstadt über den Zugweg: «Man muss halt alles mal gesehen haben», meinte sie. Neugierig gemacht hätten sie ihre erwachsenen Söhne, die früher oft zur Loveparade nach Berlin gefahren waren. Neugierig war auch ein älteres Ehepaar aus Dortmund. Die beiden 71-Jährigen wollten sich den Umzug von einer Brücke aus ansehen. «Wir gucken, wie die Jugend heute hier feiert», meinte die Frau. «Das ist ja das Schöne, die Power, die Musik. Da kann man ein bisschen mitzuckeln.» (Helge Toben, dpa)