Neuer Unfall:
Leck in französischer Atomanlage
18.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Exumweltministerin Corinne Lepage beklagte mangelnde Investitionen in die Sicherheit. Die Atomaufsichtsbehörde ASN gab die neue Panne am Freitag bekannt, nachdem sie am Donnerstagabend über den Vorfall informiert worden war. Nach Angaben des Betreibers war die Leitung schon seit Jahren defekt. Dies sei ein klarer Verstoß gegen die Auflagen, erklärte die ASN.
Die Verunsicherung über die Schlamperei in den Nuklearzentren ist groß. «Hinter den gehäuften Pannen zeigt sich das Scheitern einer gefährlichen, teuren und unnützen Branche», teilte Greenpeace mit.
Während man die Atomkraft als Königsweg zur Energiesicherheit anpreise und den Bau neuer Reaktoren verkünde, werde die schlichte Wahrheit deutlich: «Kernkraft ist schmutzig, gefährlich und wird nicht beherrscht.» Bei Installationen in den Anlagen, die nicht unmittelbar die Reaktoren beträfen, sei die Überwachung weniger streng, räumte auch Umweltminister Jean-Louis Borloo ein.
Bei der Untersuchung der Strahlenbelastung nach dem Unfall von Tricastin war zudem Uran im Grundwasser festgestellt worden, das bereits früher in die Umwelt gelangt sein muss. Experten vermuten einen Zusammenhang mit einer ungesicherten Atommüll-Deponie in einem Erdhügel, in dem seit den 70er Jahren etwa 760 Kilo uranhaltige Abfälle aus Militärbeständen lagern.
Auch das Grundwasser nahe der Reaktoren und Aufbereitungsanlagen wird überprüft, Umweltminister Borloo erwartet bis zum Oktober einen Bericht darüber. Zudem wurde der Leiter der Pannen-Anlage entlassen. Erster Auftrag des neuen Chefs sei die globale Überprüfung der Funktionsweise des Betriebs und der Sicherheit, teilte Areva mit.
Der staatliche Areva-Konzern betreibt in Frankreich 59 Reaktoren, in denen fast 80 Prozent des Stromes erzeugt werden. Eine größere Abhängigkeit von Atomstrom hat kein anderes Land. Die Pannen kratzen am Ansehen des Konzerns, der auch zahlreiche Reaktoren im Ausland baut. Atomkraftwerke aber sind im Unterschied zu Windrädern in der Gesellschaft weitgehend akzeptiert. (AP/dpa)

