Nach den Todesfällen beim Zugspitzen-Lauf warnen Sportmediziner vor den Risiken von Extrem-Sport. Aber auch hier gilt – das lebensgefährliche Risiko ist oft erst der Kick für die Aktiven. Ein Überblick mit Videos
Besorgte und warnende Stimmen melden sich nach dem Tod zweier Läufer, weil Sportler die Risiken unterschätzen: Bei einem Berglauf können Menschen binnen von Minuten lebensbedrohlich auskühlen. Der Körper erreiche 90 Prozent seiner Extremleistungsfähigkeit oder sogar mehr. Und die körpereigenen Zuckervorräte würden rasch aufgebraucht.
Hinzu komme eine sinkende Urteilsfähigkeit. Auch das Gehirn kühle aus und bekomme immer weniger Zucker. «Das führt zu Tunnelblick, Orientierungslosigkeit und eingeschränkter Wahrnehmung. Man erkennt dann nicht mehr, dass man unterkühlt ist», warnte Steinacker. Auch andere Extremsportarten haben ihre Risiken.
Basejumping: der Sekunden-Kick
Bei dem so genannten Basejumping springen die Extremsportler nicht aus einem Flugzeug, um sich mit einem Fallschirm zur Erde tragen zu lassen, sondern von feststehenden Objekten (engl. «base») wie Gebäude, Statuen oder Brücken. Oft hat der Objektspringer keinen Reserveschirm, da er bei der niedrigen Sprunghöhe nicht genügend Zeit zum Aktivieren hätte, wenn der Hauptschirm nicht öffnet.
Gefährlich sind vor allem plötzliche Seitenwinde, die die Basejumper erfassen und gegen die Gebäude oder Brücken schleudern. Dabei kommt es immer wieder zu Toten oder Verletzten. 120 starben in den Jahren zwischen 1981 bis 2007 beim Ausüben dieses Sports.
«Spiderman» an Hochhaus-Fassaden
Beim Buildering, Urban Climbing oder Gebäudeklettern werden nicht Felsen, sondern Gebäude und andere künstliche Strukturen beklettert. Damit bewegt man sich oft in einer juristischen Grauzone. Nicht verboten ist es nur solange man in Absprunghöhe klettert. Offiziell erlaubt ist das Beklettern von Bunkern, etwa in Berlin.
Spektakuläre Protest-Aktionen ohne Sicherheitsseile wie zuletzt von dem «Öko-Spiderman» sorgen immer wieder für Medien-Aufmerksamkeit: Der Franzose Alain Robert kletterte jüngst die Fassade eines 52 Stockwerke hohen Wolkenkratzers inNew York hinauf. Mit seiner Aktion wollte er auf den weltweiten Klimawandel aufmerksam machen.
«Spiderman» ist nach eigenen Angaben bereits mehr als 70 Wolkenkratzer in aller Welt mit bloßen Händen hochgeklettert. Zu den bekanntesten gehören das Empire State Building in New York, der Sears Tower in Chicago, die Petronas Towers in Kuala Lumpur sowie der Eiffelturm in Paris.
Parkour: Die Kunst der Fortbewegung
Spektakuläre Szenen geistern durch «Youtube»: Jugendliche klettern Wände hoch, balancieren auf Zäunen oder überwinden Häuserschluchten mit gewagten Sprüngen. Die Akrobaten nennen sich selbst Traceure (Läufer) und ihre Sportart Parkour. Gemeint ist die Kunst, unter Überwindung sämtlicher Hindernisse einen möglichst kurzen Weg von A nach B zu nehmen. Die Hindernisse selbst dürfen nicht verändert werden, weil es darum geht, mit dem vorhandenen Umfeld zu Recht zu kommen.
Als Parkour-Erfinder gilt der Franzose David Belle, der bei spielerischen Verfolgungsjagden in den 80ern eine Fortbewegungsmethode im Einklang mit der Umgebung entwickelte. Mittlerweile springt der 33-Jährige über Abgründe bis zu 15 Metern von Hochhaus zu Hochhaus, was man auf zahlreichen Videos im Netz bewundern kann.
Was so halsbrecherisch und lebensmüde aussieht sehen die Aktiven als mentales Training: «Parkour ist die Freiheit und Motivation Bewegung in der Perfektion auszuleben. Dabei bewegt man sich mit Eleganz effizient durch den urbanen und natürlichen Raum», schreiben die Traceure auf der offiziellen Homepage der deutschen Parkour-Szene.
Disziplin, Konzentration und geistige Stärke
Auch die Werbeindustrie hat den Trendport inzwischen für sich entdeckt. Die Bewegungskünstler tauchen vermehrt auf Messen und in TV-Spots auf. Madonna engagierte sogar einen für ihr Musikvideo «Jump». Der James-Bond-Film «Casino Royale» beginnt mit einer Traceur-Verfolgungsjagd auf einem Baukrahn. Bonds Gegner wird von Parkour-Mitbegründer Sébastien Foucan gespielt.
Die «echten» Traceure stehen dieser Mainstream-Vermarktung skeptisch gegenüber. Auch Wettbewerbe sind für sie tabu: «2007 gab es eine 'Parcouring Weltmeisterschaft', die ein völlig falsches Bild vermittelt hat», heißt es im Online-Portal «Parkour24». «Gesundheit stand da leider nicht mehr im Vordergrund.» Beim Parkour gehe es um den Kampf gegen die Grenzen im eigenen Kopf, nicht gegen andere. Der Sport verlange ein hohes Maß an Körperbeherrschung und Selbsteinschätzung. (nz/dpa)