Kunden von Internethändler im Visier: 

netzeitung.dePolizei findet zahlreiche Drogenlabore

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Illegale Spaßmacher wurden in vielen Drogenküchen produziert (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Illegale Spaßmacher wurden in vielen Drogenküchen produziert
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Zwei Geschäftsleute hatten über das Internet legale Chemikalien verkauft, aus denen sich synthetische Drogen herstellen lassen. Nun organisierte die Polizei eine internationale Großrazzia gegen die Kunden des Dienstes.

Bei einer Großrazzia gegen illegale Chemikalienhändler und Drogenlabore sind am Mittwoch 600 Wohnungen und Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchsucht worden. Zwei Chemikalienhändler aus dem Großraum München und der Lüneburger Heide stünden im Verdacht, via Internet Chemikalien zur Herstellung von Amphetamin und anderen synthetischen Drogen zu verkaufen, teilten das bayerische Landeskriminalamt und die niedersächsische Polizei mit.

Nach Angaben der Polizei in Lüneburg fanden die Durchsuchungen zumeist bei Kunden der beiden Internethändler statt. «Ziel der Durchsuchungsmaßnahmen ist es, Drogenlabore zu finden und daraus stammende verbotene Substanzen zu beschlagnahmen», sagte ein Polizeisprecher.

Die vertriebenen Chemikalien fielen nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, wohl aber die Produkte, die man daraus herstellen könne. Die beiden Händler sollen nach Angaben der Ermittler auch erhebliche Mengen des Reinigungsmittels Gamma-Butyrolacton GBL verkauft haben. Die Substanz wandelt sich im Körper von selbst in die Droge GHB um, die auch als «liquid Ecstasy» oder Vergewaltigungsdroge bekannt ist. GBH kann starke Abhängigkeit verursachen und hat schon zu Todesfällen in Deutschland geführt.

Zunächst Verdacht auf Sprengstoff-Herstellung
Hintergrund der Razzia sind zwei Ermittlungsverfahren, die von den Staatsanwaltschaften in München und im niedersächsischen Verden gegen die Chemikalienhändler und ihre Kunden geführt werden. Der Internethändler aus Niedersachsen unterhalte in der südlichen Lüneburger Heide ein Warenlager und eine Verkaufsstelle, sagte der Sprecher.

Der 39-Jährige werden zusätzlich verdächtigt, zur Herstellung von Sprengstoffen geeignete Chemikalien verkauft zu haben. Man habe bei der Razzia auch eventuelle Labore zur Herstellung von Sprengstoff im Blick gehabt.

Mehrere Drogenlaboren in der Schweiz entdeckt
Die Schweizer Polizei führte im Rahmen der international abgestimmten Aktion in 17 Kantonen Hausdurchsuchungen und Befragungen durch. Es bestehe der Verdacht, dass in einigen der durchsuchten Objekte Labors zur Herstellung von Betäubungsmitteln auf Basis chemischer Stoffe betrieben worden seien, teilte das Schweizer Bundesamt für Polizei mit.

In Österreich gab es drei Hausdurchsuchungen. Dabei fanden Ermittler in der Steiermark ein kleines sogenanntes Küchenlabor. In den beiden anderen Objektes wurde nach Angaben des Innenministeriums in Wien nichts Verdächtiges gefunden. In Deutschland liefen die Durchsuchungen um 06.30 Uhr zeitgleich in allen Bundesländern an. Dabei seien mehrere Labore gefunden worden, teilte LKA-Sprecher Ludwig Waldinger in München mit. «In einem Objekt haben wir einen Lastwagen gebraucht zum Abtransport der sichergestellten Chemikalien», sagte er.

Mehrere Monate ermittelt
Vor der internationalen Großrazzia hatten das bayerische LKA und die Kripo in Lüneburg mehrere Monate gegen die beiden Internethändler ermittelt. Das stark lösungsmittelhaltige GBL wird in Deutschland nur von BASF hergestellt und als Bestandteil für Reinigungsmittel verkauft. Um Missbrauch zu vermeiden, meldet BASF private Käufer an die Behörden. Über genaue Ergebnisse der Razzia wollen Polizei und Staatsanwaltschaften am Donnerstag informieren. (AP)