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Eklat bei Eröffnung des Wachsmuseums: 

Besucher reißt Hitler den Kopf ab

05. Jul 2008 11:15, ergänzt 14:52
So sah die Wachsfigur vorher aus
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Kaum ist Madame Tussauds in Berlin eröffnet, hat es seinen ersten handfesten Skandal. Ein 41-jähriger Mann lieferte sich beim umstrittensten Exponat erst ein Handgemenge - und griff dann rabiat zu.

Mit Protesten war gerechnet worden: Da die Ausstellung Hitlers im neuen Museum von Madame Tussauds in Berlin von Anfang an umstritten war, wurden der Wachsfigur des Diktators zwei Bewacher zur Seite gestellt. Doch sie konnten nicht verhindern, dass schon wenige Minuten nach Eröffnung der Ausstellung am Samstag Hitler erledigt sein würde. Schon der zweite Gast - ein 41-jähriger Mann aus Kreuzberg - wurde handgreiflich und riss der Wachsfigur den Kopf ab.
Sie wurde sofort aus der Ausstellung entfernt. Museumsmitarbeiter Stephan Koch war einer der beiden Bewacher. Er beschreibt die Szene so: Der Besucher sei einfach über den Schreibtisch gesprungen, hinter dem die Hitler-Figur in einem nachgestellten Führerbunker saß, und habe die Puppe beschädigt. So entschlossen sei der 41-Jährige gewesen, dass er sich von niemandem habe aufhalten lassen. Sein Kollege sei tätlich angegriffen worden bei dem Versuch, den aufgebrachten Gast an seinem Vorhaben zu hindern.

Figur kostet 200.00 Euro

Der 32-jährige Sicherheitsbeauftragte wurde laut Polizei am Bein verletzt. Auch ein weiterer Verantwortlicher der Schau sei zur Seite gestoßen worden. Die vom Museum sofort alarmierten Beamten nahmen den randalierenden Besucher fest, der laut Koch «ganz normal» aussah. Ermittelt wird nun gegen ihn wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung.

Was mit der beschädigten Hitler-Figur geschehen soll, ist laut Mitarbeitern Natalie Ruoß noch unklar. Die Geschäftsführung werde mit ihren Anwälten beraten und dann darüber entscheiden. So lange das Ausmaß des Schadens nicht beziffert sei, wisse man nicht, ob die Puppe in ihren Museums-Bunker zurückkehren werde, der mit einer Militärkarte über den unaufhaltsamen Vormarsch der Roten Armee im Jahr 1944 dekoriert ist. Während die Polizei sagt, der Kopf sei abgerissen, sagen die Museumsmitarbeiter, der Kopf sei lediglich beschädigt. Die Herstellung einer Wachsfigur kostet laut Ruoß rund 200.000 Euro. Grundsätzlich lasse sich alles nachgießen.

Posieren mit dem Nazi-Führer untersagt

Drohungen oder anonyme Anrufe vor Ausstellungsbeginn habe es nicht gegeben, sagte Ruoß. Zum Streit über die Frage, ob man man den Nazi-Führer, auf dessen Geheiß Millionen Menschen ermordet wurden, zu schlichten Unterhaltungszwecken zeigen dürfe, wies sie darauf hin, dass Madame Tussauds es sich nicht leicht gemacht habe.

Vor der Zusammenstellung der Schau sei ein Marktforschungsunternehmen damit beauftragt worden herauszufinden, ob die Ausstellung einer Hitler-Figur erwünscht sei. Die meisten deutschen und Berliner Touristen hätten die Meinung geäußert, dass der Diktator zur deutschen Geschichte gehöre und deshalb auch gezeigt werden solle.

Weil das Thema aber heikel bleibt, gelten für diesen Ausstellungsteil strenge Verhaltensregeln: Hitler war die einzige der 75 Wachsfiguren, die weder berührt noch fotografiert werden durfte. Auch das Posieren mit dem NSDAP-Chef wurde von der Geschäftsleitung strengstens untersagt - aus Respekt vor den Millionen Weltkriegstoten, wie eine Infotafel erläutert. Keinesfalls wollten die Betreiber riskieren, dass am Ende Neonazis als Touristen anreisen und sich mit ihrem Idol knipsen lassen. (Claudia Kemmer, AP)

 
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